Floral ornament in analogy to fibonacci rules

«Mehr Geld, mehr Wohlstand?»

Glückszahl 13, Sterne, Pyramide und Adlerkopf: Symbolsprache, Heraldik und humanistische Wurzeln der heutigen Dollarnoten jenseits von Verschwörungsphantasien

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Der Dollar dürfte das bekannteste Zahlungsmittel der Welt sein, und doch birgt seine Darstellung viele Geheimnisse. Dieser Podcast verfolgt das Mysterium der Zahl 13.


 

Begleiten Sie uns auf unserer Reise durch die Welt des Geldes. Heute machen wir Halt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir befinden uns im Hier und Heute.

 

Gibt es tatsächlich Menschen auf der Erde, die nie eine Ein-Dollar-Note gesehen haben? Wohl kaum! Diese Banknote dürfte das bekannteste Bargeld sein, das auf unserer Welt existiert. Aber haben Sie sich den Dollar schon einmal genau angesehen? Es gibt nämlich viel zu entdecken!

 

Vor allem die Abbildung des großen Siegels der Vereinigten Staaten auf der Rückseite der Banknote steckt voller Symbole und Anspielungen.

 

Das hat nichts mit irgendwelchen Verschwörungen zu tun, sondern mit der Zeit, in der es geschaffen wurde. Bereits am 4. Juli 1776, also an dem Tag, an dem die dreizehn Staaten ihre Unabhängigkeit erklärten, wurde ein Komitee eingesetzt, um dieses nationale Symbol zu gestalten.

 

Die gebildeten Männer des 18. Jahrhunderts liebten Symbole, und alle hatten sie Latein gelernt. Kein Wunder also, dass auf diesem Entwurf antike Gottheiten auftauchen. Bellona, die Kriegsgöttin, in Rüstung, und Pax, die Friedensgöttin, mit dem Lorbeerzweig. Sie sollten bald wieder verschwinden. Aber zählen Sie doch bitte die Sterne über dem Wappen!

 

Es sind dreizehn, genauso viele wie es Streifen hat im Wappen! Die Dreizehn steht für die dreizehn Gründungsstaaten der Vereinigten Staaten. Merken Sie sich diese Zahl! Wir werden immer wieder auf sie stoßen.

 

Das endgültige Design des Großsiegels geht auf Charles Thomson zurück. Er war einer der großen Politiker der Ersten Stunde der Vereinigten Staaten.

 

Er schuf aus den Entwürfen, die drei Komitees in sechs Jahren entwickelt hatten, etwas Neues, nämlich das Design, das heute noch jedes offizielle Dokument der Vereinigten Staaten beglaubigt.

 

Es zeigt einen heraldischen Adler mit dem Wappenschild. Der weiß abgesetzte Kopf charakterisiert das Tier als Weißkopfseeadler, Wappentier der Vereinigten Staaten.

 

Im Schnabel hält der Adler ein Band, auf dem das Motto E PLVRIBUS VNVM zu lesen ist. Das ist schlechtes Latein. Es müsste EX PLVRIBVS heißen. Aber zählen Sie die Buchstaben! So sind es dreizehn. Genau wie die dreizehn Sterne über dem Adlerkopf, die dreizehn Blätter am Lorbeerzweig und die dreizehn Pfeile in der linken Kralle des Adlers. Überhaupt, die Pfeile…

 

Sie gehen auf eine antike Erzählung zurück. Darin mahnt ein sterbender Vater seine Söhne zur Eintracht. Er demonstriert den Nutzen dieser Tugend durch ein Bündel Pfeile. Während niemand das Bündel als Ganzes brechen kann, ist der einzelne Pfeile leicht zu knicken.

 

Die Aussage des Pfeilbündels in der Adlerkralle lautet also: Niemand kann die Vereinigten Staaten besiegen, solange sie einig zusammenhalten.

 

Das Großsiegel der Vereinigten Staaten hat – anders als alle anderen Siegel auf der Welt – eine zweite Seite. Es handelt sich um ein Emblem, also um ein Motto mit einer zeichnerischen Umsetzung. Das Motto lautet ANNUIT COEPTIS, in Übersetzung: Er stimmte vom Beginn an zu. Wer mit er gemeint ist, das zeigt das dreieckige Auge Gottes, das in den oberen Teil der Pyramide einbeschrieben ist. Zählen Sie die Buchstaben des Motto! Genau, es sind 13 Buchstaben. Und aus 13 Lagen Stein besteht auch die Pyramide, Symbol der Ewigkeit, der Vollkommenheit, ja, der Vereinigten Staaten, mit deren Bau, wie das lateinische Datum am Fuße der Pyramide verrät, 1776 begonnen wurde.

Darunter lesen wir NOVUS ORDO SECLORUM, ein neues Jahrhundert. Dieses Zitat stammt aus einem Gedicht des Vergil, in dem er das Heraufziehen eines neuen Zeitalters preist:

 

„Schon ist das Ende der Zeit nach dem Lied von Cumae gekommen /

Und großartig beginnen den Lauf ganz neue Geschlechter.“

 

Die römischen Christen bezogen diese Prophezeiung auf das Zeitalter, das mit Jesu Geburt angebrochen war. Die ersten Bürger der Vereinigten Staaten hatten das gleiche Sendungsbewusstsein. In ihrem Land würde alles besser werden. George Washington war ihr neuer Messias, der die Vereinigten Staaten in eine glorreiche Zukunft führen sollte.

 

So hat sich also der erste Präsident der Vereinigten Staaten seinen Platz auf dem Dollar redlich verdient. Und man versteht vielleicht besser, warum sich die Amerikaner standhaft weigern, die beliebte Ein-Dollar-Banknote zu Gunsten der neuen Ein-Dollar-Münzen aufzugeben.

 

Die junge Indianerin Sacagawea wird noch lange brauchen, bis sie den gleichen Bekanntheitsgrad erreicht wie George Washington und das Großsiegel der Vereinigten Staaten.

 

Danke fürs Zuhören. Und Sie finden noch viele weitere Podcasts rund ums Thema Geld auf der Seite der Sunflower Foundation.