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«Bildertouren zu interessanten Münzen»

Menschenantlitz auf Münzen: Innovation aus dem persisch-kleinasiatischen Raum, wo persische Satrapen und lokale Griechen einander begegneten (vor 336 v. Chr.)

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Kopf oder Zahl – so sagt man, wenn eine Münze geworfen wird. Der Kopf, das Porträt ist für uns Synonym der Münzvorderseite. Aber seit wann ist das der Fall? Und wer setzte überhaupt sein Bild erstmals auf Münzen?


 

Begleiten Sie uns auf unserer Reise durch die Welt des Geldes. Heute machen wir Halt in Kleinasien. Wir befinden uns in den Jahren vor 336 vor Christus.

 

Die Griechen wären sicher nicht so schnell auf die Idee gekommen, das Porträt eines Herrschers auf seinen Münzen darzustellen, wie wir es auf dieser Münze sehen.

 

Sie stellten Götter dar… oder Tiere … und manchmal gerade noch einen Heros.

 

Aber sich selbst auf ihren Münzen abzubilden, das wagten nicht einmal die fast allmächtigen Tyrannen.

 

Um auf so eine Idee zu kommen, musste man aus einem anderen Kulturkreis stammen, aus dem persischen Weltreich zum Beispiel. Dort spielte der König eine ganz besondere Rolle, wie uns die große Siegesinschrift von Bisutun überliefert. Lauschen wir also den Worten des persischen Großkönigs, Dareios I.:

 

„Ich bin Dareios, der große König, König der Könige, König von Persien, König der Länder. Ahuramazda hat mir dieses Weltreich verliehen. Ahuramazda hat mir geholfen, dieses Weltreich zu gewinnen. Durch die Gnade von Ahuramazda besitze ich dieses Weltreich.“

 

Nun ragt einer, durch den die Macht des Gottes fließt, natürlich aus der Menge der Menschen heraus. Kein Wunder, dass die persischen Könige es für selbstverständlich hielten, ihr Bild prominent in den Vordergrund zu stellen. Auf Münzen - und auf Bauwerken.

 

Individualität aber gewinnt die Gestalt des Königs nicht. Ob Münze, ob Relief, es geht um die Funktion, nicht um den Menschen. Einzig die Tracht kennzeichnet Dareios als das, was er ist, als Herrscher eines Weltreichs.

 

Die Idee des Individuums wurde an anderer Stelle geboren.

 

Doch erst im Grenzland zwischen griechischer und persischer Kultur kamen die Künstler auf die Idee, Neues zu wagen.

 

An der Westküste der Türkei, in dem Gebiet, das die Historiker Kleinasien nennen, prallte griechisches und persisches Denken aufeinander. Im Jahr 546 besiegte Kyros II. den lydischen König Kroisos und übernahm sein Reich. Dazu gehörten viele bedeutende griechische Städte wie Milet oder Ephesos. Hier lebten Griechen unter persischer Herrschaft. Sie arbeiteten für den Satrapen, den Stellvertreter des persischen Königs. Und hier entstand die Idee, den Satrapen so auf seinen Münzen darzustellen, wie er wirklich aussah.

 

Diese Münze ist winzig. Sie misst nicht einmal einen Zentimeter im Durchmesser. Und doch hat man den Eindruck, der Dargestellte ist so gut getroffen, dass man ihn auf der Straße erkennen würde, mit seiner großen vorspringenden Nase, seinem aufmerksamen Blick und dem eindrucksvollen Schnurrbart. Auf dem Kopf trägt er den Bashlyk, eine Art Kapuze, deren Ende wie bei der phrygischen Mütze zur Seite fällt.

 

Wer da auf der Vorderseite dargestellt ist, das verrät uns die Rückseitenaufschrift. Sigma – Pi – Iota, Spi, Abkürzung für den Satrapen Spithridates, der Ionien und Lydien verwaltete, als Alexander der Große Kleinasien überfiel. Unser Spithridates war übrigens nicht der einzige Satrap, der sich auf Münzen darstellen ließ.

 

Ihm hatten es Männer wie der lydische Satrap Gamerses und der mächtige Tissaphernes, der um 400 v. Chr. über ganz Kleinasien befahl, vorgemacht. Als Alexander im Jahr 336 die Perser am Granikos vernichtend schlug, war es in Kleinasien schon seit zwei Generationen üblich, die Herrscher auf Münzen darzustellen. Doch Alexander blieb zumindest in dieser Hinsicht Traditionalist.

 

Auf seinen Münzen ist nicht Alexander, sondern der große griechische Heros Herakles zu sehen.

 

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