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«Geld: ein Versprechen?»

Zwischen alter Kunst und moderner Technik: Wie Präsident Roosevelts Wunsch nach Hochrelief den Amerikanern 1908 ihre schönsten Goldmünzen bescherte

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Er ist eine amerikanische Legende, der Saint Gaudens Double Eagle. Ein Präsident und ein Künstler verschworen sich, um ihn gegen den Willen der Münzstätte durchzusetzen. Es wurde ein Erfolg, aber nur weil der Künstler rechtzeitig starb.

 

 

Begleiten Sie uns auf unserer Reise durch die Welt des Geldes. Heute machen wir Halt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir befinden uns im Jahr 1908 nach Christus.

 

Es soll im Weißen Haus an einem Abend des Jahres 1905 geschehen sein. Bei einem offiziellen Dinner redeten sich zwei Freunde die Köpfe heiß. Der Präsident Theodore Roosevelt und der Bildhauer Augustus Saint-Gaudens schwärmten für die griechische Münzprägung. So ein wunderbar hohes Relief! Solch künstlerisches Können. Wie langweilig waren dagegen die Münzen, die in Amerika kursierten! Es müsste doch möglich sein, neue, ästhetisch anspruchsvollere Münzen zu schaffen! Und schließlich, wofür war Theodore Roosevelt Präsident? Er hatte die Macht! Für die Goldmünzen brauchte es keine Zustimmung von Seiten des Kongresses! So zwang Theodore Roosevelt die Münzstätte von Philadelphia, seinen Freund Augustus Saint-Gaudens zu beauftragen, Entwürfe vorzulegen.

 

Dort war man nicht gerade glücklich darüber. Charles Barber übte das Amt des Chief Engravers bereits seit 1879 aus. In dieser Funktion war er zuständig für alle Entwürfe und deren praktische Umsetzung. Schon sein Vater hatte dieses Amt vor ihm bekleidet. Seit mehr als einem halben Jahrhundert kontrollierten und verantworteten die Barbers die amerikanische Münzprägung.

 

Und da kam nun dieser Künstler, Augustus Saint-Gaudens. Sohn eines französischen Schuhmachers und einer irischen Hausfrau! Ja, er war der Liebling der guten amerikanischen Gesellschaft mit seiner Begeisterung für die Kunst der Renaissance. Ja, er hatte eindrucksvolle Standbilder im Auftrag des Staats geschaffen. Aber mit seiner Arroganz hatte er sich keine Freunde gemacht, vor allem nicht in der Münzstätte

 

Saint-Gaudens hatte prachtvolle Medaillen geschaffen und großartige Halbreliefs.

 

Aber natürlich waren die nicht auf die mit Hochgeschwindigkeit prägenden, modernen Prägepressen abgestimmt.

 

Dass eine moderne Münzstätte des beginnenden 20. Jahrhunderts anders funktionierte als die Werkstatt eines griechischen Handwerkers oder eines Renaissancekünstlers, das interessierte weder Theodore Roosevelt noch Augustus Saint-Gaudens.

 

Theodore Roosevelt bestand darauf, dass die neuen Münzen ein hohes Relief haben müssten, auch wenn Fachleute ihm abrieten. Und so schuf Saint Gaudens seinen prachtvollen Entwurf. Modelle kamen aus Paris, weil Saint-Gaudens fürchtete, man werde ihn in Philadelphia sabotieren.

 

Dort stand man vor dem Problem, diese Münzen in einem einzigen Vorgang zu prägen, was technisch gar nicht möglich war. Roosevelt war verärgert. Die Situation wäre fast eskaliert, wäre nicht Augustus Saint-Gaudens rechtzeitig am 3. August 1907 gestorben.

 

Damit war der Weg frei für Charles Barber, das Münzdesign nach den Bedürfnissen der modernen Prägeautomaten zu überarbeiten. Das Relief wurde flacher. Die für Amerikaner unverständliche lateinische Jahreszahl wurde in arabische Ziffern umgesetzt. Auch wenn die Familie von Saint-Gaudens diese Änderungen schwer verurteilte, konnten jetzt endlich die Münzen geprägt und Ende Dezember 1907 in Umlauf gesetzt werden.

 

Roosevelt war zufrieden, und Saint-Gaudens konnte nicht mehr widersprechen. Seine Signatur ist auch auf den überarbeiteten Münzen zu sehen. Fachleute halten sie heute noch für die schönsten amerikanischen Münzen, die je geschaffen wurden.

 

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