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Geld und Tausch I: Gaben

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Geld ist heute Tauschmittel: das eine universale Tauschmittel, von dem alle Produktion, alle Versorgung und jede Art des Umgangs mit dieser Welt abhängig und bestimmt ist. Daraus ergibt sich die kurzschlüssige Annahme, der Tausch läge dem Geld auch zu Grunde: Geld wäre aus demselben Tausch entsprungen, den es heute noch immer vermittelt. Weil Geld heute zur grundlegenden Tatsache unseres Lebens gemacht ist, hält man auch den Tausch für eine solche Tatsache, und zwar für dieselbe grundlegende Tatsache wie das Geld, nur eben in ihrer ursprünglichen Form. Diese Annahme ist grundverkehrt.

Gabe ist nicht gleich Tausch

In Gemeinschaften, die noch nicht im heutigen Sinn mit Geld umgehen, die noch nicht abhängig sind von einem Markt, auf dem sie alles nur über Geld bekommen, in solchen Gemeinschaften finden wir zwar universal verbreitet Handlungen, bei denen Dinge überreicht werden. Doch hat dieses Überreichen dort niemals den Charakter eines Kaufs, in dem einer dem anderen etwas gibt, um von ihm etwas anderes zu bekommen. Es hat vielmehr den Charakter einer Gabe: Die Menschen überreichen diese Dinge im Zusammenhang mit einem Verpflichtetsein, das sie gegeneinander empfinden und das sie tätig auszudrücken haben. Sie überreichen diese Dinge, um eben dies Verpflichtetsein tätig auszudrücken. Das Wissen um dieses wechselseitige Verpflichtetsein richtet sich dabei durchaus nicht speziell auf die Dinge, die im Zusammenhang damit überreicht werden, sondern drückt sich nur unter anderem in ihnen aus – und ausserdem etwa in einer bestimmten Art des Zusammenkommens, bestimmten Riten der Verständigung, bestimmten Worten, Gesten usf. Deshalb ist diese Verpflichtung niemals durch eine solche Gabe erfüllt und abschliessend eingelöst: Sie wird durch die Gabe ausgedrückt, bestärkt und erneuert, sie wirkt durch sie gerade auch weiter. Sie muss erwidert werden, aber auch dies gerade nicht so, wie es dem Geld und dem Kauf entspricht, dass die eine Gabe durch die erwiderte Gabe eingelöst und aufgehoben würde. Es geht dabei gerade nicht darum, dass jemand diese Gabe in Besitz bekommt, sondern nur darum, dass jemand sie gibt, dass jemand sie annimmt, und deshalb auch, dass er sie weitergibt. Da gibt es also sehr viel zu berichten und zu erzählen. Von Gaben etwa, die nur immer im Kreis herum gehen, von identischen Gaben und vielem mehr. Nur nichts von «dem» Tausch.

Der Tausch setzt der Verpflichtung ein Ende

Entscheidend ist vielmehr zu erkennen, dass solche Verhältnisse des Verpflichtetseins dem Tausch, wie wir ihn vom Geld kennen, nicht nur nicht entsprechen, sondern durch ihn ins Gegenteil verkehrt, ja, vernichtet werden: Denn das, was wir mit Geld kaufen und bezahlen, stiftet keine Verpflichtung zu dem, der es uns verkauft, sondern löst sie ein und löst sie auf. Dieser Tausch setzt jeder weiteren Verpflichtung ein – sehr gefährliches – Ende.