«Publikationen zur Geldgeschichte»

Über Geld hinaus III: oikos, modern

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Die Not und das Verderben, denen die Geldlogik diese Welt aussetzt und die sie die Menschen zwingt dieser Welt zu bereiten, sie können nur ein Ende finden, wenn der Geldlogik selbst ein Ende bereitet wird. Nur dann, wenn nicht mehr so produziert werden muss, dass Geld dabei herausspringt, wenn Menschen nicht mehr dafür arbeiten müssen, dass andere sie dafür bezahlen, wenn nicht mehr alles, wovon und womit Menschen leben, danach durchsucht und danach behandelt werden muss, dass es Geld abwirft, möglichst viel Geld, nur dann ist ein Ende der grassierenden Not und des immer weiter ausgreifenden Verderbens überhaupt möglich. Es erfordert mehr, als dass nur nicht mehr nach der Geldlogik gedacht würde, es erfordert ein Ende des Geldes selbst.

Wenn alles, was Menschen tun, nur dem zu gelten hätte, was sie tun

Wovon die Menschen leben und wie sie es verteilen, es müsste demnach grundsätzlich anders geleistet werden als vermittelt über Geld und über den systemisch eingerichteten Zwang, zu Geld zu kommen. Das wäre zwar bedeutend einfacher, als wenn alles, was Menschen tun, zuerst auf Geld gerichtet sein muss, bevor es – vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht – zu irgendetwas gut sein kann. Alles, was Menschen tun, hätte dann einfacherweise nur dem zu gelten, was sie tun und was sie damit erreichen wollen, nichts sonst. Aber das hat unter anderem die eine unüberwindliche Schwierigkeit, dass heute all das fast ausschliesslich über Geld organisiert ist: Alle Versorgung, die nicht über Geld liefe, ist so gut wie vernichtet, ja, alle Voraussetzungen dafür, sie anders zu organisieren als über Geld, sind über die letzten Jahrhunderte hinweg planmässig ausgemerzt worden. Das ist der bittere Grund dafür, dass die Bevölkerung in Staaten, in denen es mit dem kapitalistischen Geldgewinn nicht ganz so klappt wie bei den Weltmarktgewinnern, nur noch vor sich hin darben oder davonlaufen kann.

Dem Geld postum noch einmal Dank abstatten

Eine Rückkehr zu irgendwelchen älteren Formen der Subsistenz ist daher ausgeschlossen, selbst für den Fall, dass sie irgendwie wünschenswert wäre. Statt zu einer Rückkehr käme es nur zu einem Rückfall: weit zurück hinter früher erreichte Möglichkeiten. Es kann nicht anders sein: Die modernen Mittel für Produktion und Verteilung, zu deren Entwicklung das Geld die Menschen angetrieben hat, wären nicht aufzugeben, sondern aufrecht zu erhalten – aber neu zu verwenden. Denn ihre Fähigkeit, besser und mit weniger Aufwand zu produzieren und das Produzierte auch genauer und zuverlässiger zu verteilen als je zuvor, wäre dann, wenn sie nicht mehr dem Diktat einer Rentabilität in Geld unterworfen wären, anders zu nutzen. Es ist eine hoch willkommene Fähigkeit: ein Geschenk, für das dem Geld postum geradezu noch einmal Dank abzustatten wäre.