«Historische Karten»

Eske Bockelmann: «Im Takt des Geldes» als Film

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Im 16. Jahrhundert durchlebt die europäische Welt einen gewaltigen Wandel: War sie bis anhin vor allem rural geprägt, gewinnen jetzt Städte an Bedeutung. Lebhafte Märkte entstehen und schliessen sich zum ersten Mal in der Geschichte zu einem einzigen, länderübergreifenden Markt zusammen. Es ist die Geburt der Marktwirtschaft. Geld wird allgegenwärtig. Und nichts weniger als ein neues Bewusstsein kommt auf. Es wirkt bis tief ins Unbewusste und verändert nicht zuletzt auch unsere Rhythmuswahrnehmung. Doch worauf gründen sie, das neue Bewusstsein, der neue Rhythmus? Es ist – das Geld. So jedenfalls lautet die These, die in diesem filmischen Essay in Szene gesetzt wird. Der Spruch «Zeit ist Geld» wird dabei sinnlich greifbar und Geld im Wortsinn zum Mass aller Dinge ...

 


Als e-book beim Conzett Verlag erhältlich.

 

«Neue Seide aus Lyon» ... «Flämisches Tuch» ... «Pfeffer, Zimt und Muskat aus Indien» ... «Getreide aus Russland» ... Lissabon, Antwerpen, Venedig ... Auf den Märkten im Europa des 16. Jahrhunderts ist was los. Die Zeit der kleinen Pfennige ist vorbei, grosse Silbertaler werden jetzt geprägt ... und gross ist auch der Wandel, den die Welt jetzt durchlebt.

Ein grosser Wandel in der europäischen Welt, die bis anhin vor allem ländlich war. Sie sieht nun Städte an Bedeutung gewinnen und lebhafte Märkte entstehen. Diese Märkte und viele andere Gelegenheiten, wo es etwas zu kaufen gibt; jetzt schliessen sie sich zum ersten Mal zu einem Markt zusammen.

 

Die Marktwirtschaft entsteht – das Geld wird allgegenwärtig

Sie werden Teil eines landübergreifenden Marktgeschehens. Jetzt, in dieser Zeit erst, entsteht das, was wir als ... Marktwirtschaft kennen. Und plötzlich ist das Geld allgegenwärtig. Markt und Handel fordern seinen ständigen Gebrauch. Dinge des täglichen Bedarfs muss man jetzt kaufen. Man bekommt sie auf keine andere Weise mehr als für Geld, also braucht auch jeder allenthalben Geld, um sie kaufen zu können.

Immer mehr Dinge bekommt man nun für Geld, vielerlei Waren wandern jetzt in die Läden, die dort vorher unbekannt, ja, undenkbar waren. Jetzt erst beginnt das Geld die Gesellschaft so zu durchdringen, so zu wirken, wie wir es heute kennen – eine ungeheuere Umwälzung für das damalige Europa beginnt. Wie der Aufbruch in eine neue Welt erfasst sie jeden Bereich des Lebens.

Die einstmals von der Obrigkeit vorgegebene Werteskala verändert sich, die Wahrnehmung der Werte selbst wird eine andere. Die Menschen befreien sich aus der bis dahin herrschenden Ordnung. Die Einheit der Kirche zerbricht. Eine tiefe Krise erfasst die Gemeinschaft. Die bisherigen Gemeinschaften werden nun zu einer – geldvermittelten – Gesellschaft. Und das ist ein durchaus krisenhafter Übergang. Einhundert Jahre Bürgerkrieg sind die Folge.

Und mit diesem grundstürzenden Wandel musste sich auch das Denken grundsätzlich verändern. Es entsteht ein neues Bewusstsein – nein, mehr noch: Die Veränderung im Denken greift noch tiefer, sehr viel tiefer. Sie vollzieht sich bis hinein ins Unbewusste. Wie können wir das erkennen? Wie gelangen wir so tief in unser Innerstes?

 

Die Rhythmuswahrnehmung verändert sich durch das Geld

In seinen Forschungen hat Eske Bockelmann eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Die moderne Rolle des Geldes wirkt sich aus bis in einen Bereich, in dem wir völlig unwillkürlich reagieren, nämlich bis hinein in die Rhythmuswahrnehmung.

Das moderne Geld bestimmt darüber, was wir als Rhythmus wahrnehmen. Zwischen Geld und unserem Rhythmus besteht ein fester und tiefer Zusammenhang. Zu den grossen Veränderungen, die sich im Europa des 16. Jahrhunderts vollziehen, gehört deshalb auch das Aufkommen einer völlig neuen Rhythmuswahrnehmung. Es ist derjenige Rhythmus, den wir auch heute ganz selbstverständlich und ganz natürlich als rhythmisch empfinden: Taktrhythmus.

Dieser Taktrhythmus hat seinen Ursprung darin, dass wir alltäglich mit Geld umgehen müssen – also etwas, das für die Menschen im Europa des 16. Jahrhunderts historisch zum ersten Mal Wirklichkeit wurde. Aber was heisst das, Taktrhythmus? Das Meiste was wir hören, empfinden wir nicht als rhythmisch. Es ruft in uns nicht die Empfindung hervor, dass da etwas rhythmisch wäre.

... klingt vielleicht nicht allzu kunstvoll, aber es hat etwas Rhythmisches, was dem Klang vorher fehlte.

Das … ist für uns zweifellos Rhythmus.

  • 1. Es gibt eine Art Schlag, der allem zugrunde liegt.
  • 2. Dieser Schlag, gibt Einheiten gleicher Dauer vor.
  • 3. - und das ist etwas was uns nicht so schnell auffällt, aber für unseren Rhythmus wichtig ist: 

Diese Einheiten bilden immer Gruppen von zweien; also: Eins- Zwei, Eins-Zwei,Eins- Zwei, Eins-Zwei,Eins- Zwei, oder aber Gruppen von Potenzen der Zwei, also Gruppen von vier Einheiten oder acht Einheiten usw. usw.

Wenn wir also etwas hören, empfinden wir es genau dann als rhythmisch, wenn es diesen Gesetzmäßigkeiten des Taktrhythmus gehorcht. Wir brauchen dazu nicht einmal ein Schlagzeug, das den Schlag extra laut markiert.

Einen Bach von der Querflöte gespielt hören wir ebefalls taktrhythmisch.

Auch hier sind Takteinheiten von gleicher Dauer und gruppieren sich in Eins-Zwei, Eins-Zwei. 

Das geht uns unschwer ins Ohr, immer schön Eins-Zwei, Eins-Zwei ...

Aber auch Vierer-Gruppen ... Eins-Zwei-Drei-Vier, Eins-Zwei-Drei-Vier, oder Achter-Gruppen ...

Das geht wunderbar, denn bis jetzt haben wir uns schön an die "Logik" unserer Rhythmuswahrnehmung gehalten, und wenn wir das tun, spielt unser Ohr eben mit.

Doch was das wirklich bedeutet, merken wir erst, wenn wir dieser Logik einmal nicht folgen. Eine Fünfer Gruppe beispielsweise zu erfassen, fällt uns schwer; sie ist für uns irgendwie nicht ?natürlich?, und geht uns offenbar nicht richtig ins Ohr.

Die Töne sind die gleichen wie vorher auch, aber ob etwas für uns rhythmisch klingt, darüber entscheidet offenbar nicht der Klang per se, sondern darüber entscheidet etwas - in uns, eine Art Reflex in unserer Wahrnehmung, eine Leistung, die so unwillkürlich aktiv ist, dass wir nichts von ihr merken.

Nichts ausser ihrer Wirkung; einer sehr bedeutungsvollen Wirkung: nämlich dass uns da etwas als rhythmisch ins Ohr geht.

Diese unwillkürliche Leistung, die unser Wahrnehmungsapparat erbringt, ordnet das, was wir wahrnehmen, sie prägt es – und sie verändert es. Hören Sie genau zu.

... tik-tak, tik-tak, tik-tak ...

Obwohl die einzelnen Ticks für sich genommen immer genau gleich klingen, hören wir sie unwillkürlich als ein Hin- und Her.

... tik-tak, tik-tak ...

Hören Sie nochmal hin. Wir hören das Ticken in Gruppen aus je zwei Ticks;

Eins-Zwei, Eins-Zwei, Tik-Tak,Tik-Tak ...

Da die Ticks immer gleich klingen, machen WIR also diesen Unterschied, irgendetwas in uns: Eben jene unwillkürliche Leistung unserer Wahrnehmung.

Was bewirkt sie also genau?

  • 1. Sie nimmt jeweils die Dauer von einem Tick zum nächsten als gleichwertige Einheiten.
  • 2. Sie hebt eine Einheit hervor gegenüber der anderen: betont gegen nicht-betont, tik-tak, Eins-Zwei.
  • 3. Indem sie die beiden Einheiten aber gegeneinander unterscheidet, nimmt sie gleichzeitig deren Verbindung vor. Jeweils zwei dieser Einheiten werden zu einer Gruppe verbunden.

So war es schon immer und so wird es immer sein ? davon sind wir fest überzeugt. Aber genau hier wird die Sache interessant. Denn dieser Glaube täuscht. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts beginnen die Menschen das Gleiche als rhythmisch zu empfinden, was auch für uns heute rhythmisch ist: Taktrhythmus. Vorher haben die Menschen natürlich auch Rhythmus empfunden, aber der gehorchte zu allen Zeiten einer ganz anderen Rhythmik: einer, die sich ganz und gar nicht nach den Gesetzmässigkeiten des Taktrhythmus richtete.

Wir hören sofort den Unterschied: einen Unterschied in der Art des Rhythmus. Dieser Rhythmus wirkt ganz anders, als das, was wir gewohnt sind. Wo ist hier unser Eins-Zwei, Eins-Zwei von vorher? ich kann es nicht entdecken? Und zwar deshalb nicht, weil dieser Rhythmus nicht Taktrhythmus ist: Er gehorcht nicht unserem Rhythmusreflex.

Fassen wir also zusammen.

  • Taktrhythmus, also unseren Rhythmus, hat es nicht schon immer gegeben, sondern er entsteht erst historisch.
  • Er ist also historisch bedingt.
  • Diese historischen Bedingungen haben sich damals im 16. Jhd zum ersten Mal ergeben, aber sie gelten seit damals bis heute.
  • Der Taktrhythmus wird durch einen unwillkürlichen Reflex in uns bewirkt.

Dieser Reflex wird durch historische Bedingungen in uns Menschen hervorgerufen. Und das ist doch etwas sehr Erstaunliches: ein Reflex, der historisch bedingt wird.

Aber welche historischen Bedingungen sind das? Was ist in jener Zeit so grundlegend neu? Was kann es sein, das uns Menschen seitdem so unwillkürlich diese Leistung des Eins-Zwei Eins-Zwei abverlangt?

Die Antwort ist so einfach wie verblüffend: Genaue Überlegung führt tatsächlich darauf, dass es das Geld sein muss, das jenen Reflex in uns hervorruft. Geld als die Alltäglichkeit, die es - wohlgemerkt - für die Menschen im 16. Jahrhundert erst zu werden beginnt.

 

Das Verhältnis von Wert zu Geld und Ware

Aber was ist das Alltägliche am Geld? Dass wir etwas damit kaufen – dass etwas etwas kostet. Jeder Kauf ist zugleich Kauf und Verkauf. Geld gegen Ware, Ware gegen Geld. Wir haben es also nie NUR mit Geld zu tun, sondern immer mit Geld und etwas Anderem.

Das stellt sich zunächst so dar: Das Geld auf der einen Seite … und irgendetwas Schönes oder Nützliches, also das Gut, auf der anderen Seite. Wenn nun dieses Gut gekauft und verkauft werden soll … dann wird es zur Ware: Es stehen sich Geld und Ware gegenüber.

Als Ware hat das Gut seinen Preis, bekommt somit für den Tauschvorgang des Kaufens einen Tauschwert der sich in Geld bemisst. Dieser Wert gehört zu der Ware, aber er «ist» sie nicht, er selbst besteht ganz und gar aus nichts – folgt ihr aber wie ein Schatten.

Genauso beim Geld. «Der Geldschein» steht für eine Menge an Wert, aber er ist dieser Wert nicht selbst. «Der Wert» besteht auch hier aus «nichts», hat aber eine entscheidende Funktion: Er kann beim Kauf als Tauschwert gegen Tauschwert eintreten.

Und dann ist die Ware natürlich so viel wert, wie viel sie kostet – also so viel, wie wir Geld dafür zahlen müssen. Wir messen ihr so viel an Wert zu, wie das Geld hat, das wir für sie hinlegen, das wir für sie überweisen oder uns für sie abbuchen lassen.

Das heisst: Wir verbinden Geld und Ware erst, indem wir auf beiden Seiten eine entsprechende Werteinheit ansetzen. Die Einheit Wert auf der einen Seite entspricht der Einheit Wert auf der anderen Seite.

Ich weiss also, es gibt diesen Wert, der im Geldschein und in der Ware mit drinsteckt; trotzdem sind ja beide nicht einfach da und sichtbar. Wir müssen diese seltsame Verbindung zwischen Ware und Geld in unserem Denken knüpfen sie hinzu denken.

Die Verhältnisse, also eine Welt in der wir das mit dem Geld schon eingerichtet vorfinden, sind es, die uns dazu erziehen und die uns Erwachsene schon dazu erzogen haben. Eine Welt, in der wir das Meiste, was wir so fürs Leben brauchen, nur kaufen können. Also nur für Geld bekommen. Wir müssen diese Verbindung und die zwei Einheiten dieses seltsamen Dings «Wert» also kennen und denken. Und das ständig, andauernd, täglich, ohne gross darüber zu reflektieren: Wir müssen sie unwillkürlich denken.

Und damit haben wir in diesem einfachen und für uns so alltäglichen Vorgang des Kaufens und Verkaufens folgende Leistung entdeckt, die unser Denkapparat hier zu erbringen hat:

  • 1. Wir denken je einander entsprechende Einheiten – reine Einheiten, die selber aus gar nichts bestehen.
  • 2. Wir denken diese Einheiten, indem wir immer wieder genau zwei von ihnen verbinden.

Das ist aber doch genau das, was wir als den taktrhythmischen Reflex in uns festgestellt hatten. Wir bilden jeweils gleichwertige Einheiten und verbinden immer genau zwei davon zu einer Gruppe.

Am Geld übt unser Denken unbemerkt also genau die Leistung ein, die es hier auch beim Rhythmus anwendet. Geld und Rhythmus - zwei Gebiete, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihr Abstand scheint unendlich gross. Aber es ist die selbe Denkleistung. Wir übertragen sie nur unwillkürlich auf ein Gebiet, wo wir sie nicht mehr wieder erkennen.

Aber weshalb fühlt sich diese unwillkürliche Denkleistung beim Rhythmus, oder genauer: in unserer Rhythmuswahrnehmung so sehr zu Hause? Beim Takthören bilden wir Einheiten, genauer Zeiteinheiten, und verbinden sie dort zu Gruppen. Wir nehmen dabei nicht die Töne als diese Einheiten wahr, sondern die Abstände der Taktschläge, innerhalb deren sich die Töne bewegen. Als Einheiten bestehen die Taktschläge bloß aus Zeit, aus reiner, leerer Zeit.

Und Zeit? Zeit – ist – Geld. Das sagt man nicht ohne Grund. Zwischen Geld und Zeit besteht eine tiefe Affinität und eine Formverwandtschaft. Und diese Formverwandtschaft, der leeren Werteinheiten hier und der leeren Zeiteinheiten dort, ist ohne Zweifel der Grund, weshalb jene Leistung auch bei unserer Rhythmuswahrnehmung wirksam wird.

Man kann diese unwilllkürliche Denkleistung also nicht auf ihr angestammte Gebiet «Geld-Ware» beschränken. Denn dieses Gebiet selbst kennt keine Beschränkung.

Fangen wir beim Geld an. Ich habe ein Ein-Euro-Stück in der Hand, Zwei-Euro, fünfzig Euro, hundert Euro, wir haben Zweitausend auf dem Konto, Aktien im Wert von 4Mio , man kann uns aber auch Dollar unter die Nase halten, Yen, Rubel: Wir wissen immer, egal, wie das Stück nun aussieht – wenn es überhaupt irgendwie aussieht –, dass es nicht der Wert ist, sondern ihn vertritt; und dass der Wert in all dem, als dieselbe unsichtbare Substanz oder Un-Substanz vertreten ist.

Und die Waren? Hier steckt er in einem Stück Butter, in einem Laib Brot, in einer Flasche Rotwein, in einem Tisch, in einem Stuhl, in einer Lampe, in dem Licht, das sie uns schenkt, in der Berechtigung, einen Tag im Schwimmbad zu verbringen oder einen Abend im Theater ...

Kurz: Es gibt nichts, was nicht Ware sein könnte, nichts, woran wir nicht die Vorstellung von Geldwert knüpfen könnten. Es gibt keine Beschränkung, keine Definition, die uns eine Grenze vorgeben würde, was wir als Geldwert betrachten dürften und was nicht.

Die Bindung von Wert an Ware kennt keine Beschränkung. Also kennt unsere Denkleistung auch keine Beschränkung darin, diese Einheit «Wert» an Dinge oder Gedanken irgendwelcher Art zu heften. Diese Leistung kann also gar nicht anders, als über den Bereich des Kaufens und Verkaufens hinausschiessen, sie muss ausgreifen auf andere Gebiete. Nur eines davon ist unsere Rhythmuswahrnehmung.

 

Geld durchherrscht die Welt

Geld regiert die Welt? Es durchherrscht die Welt. Wir kennen unzählige seiner sichtbaren Folgen: Vom Reichtum, den es so manchem bringt, bis zum Dioxin im Essen, weil sich damit Geld machen lässt, der Ölkatastrophe, weil es zu teuer wäre, eine Bohrplattform ordentlich zu warten, oder bis zum gefährlichen Klimawandel, weil die Wirtschaft laufen muss. Aber wir sollten uns auch klar darüber sein, wie weit die unsichtbaren Folgen des Geldes reichen, wie weit und wie tief. Der Rhythmus ist ein Gebiet, das uns die Tiefe dieser Wirkung zeigt.

Ihre immense Reichweite ließe sich noch auf anderen Gebieten zeigen. Und daher sollten wir unbedingt versuchen, klar genug zu erkennen, wie sehr wir, wenn wir denken, in Formen des Geldes denken.

Wollen wir, dass es auch unseres Inneres durchherrscht? Oder: Vermögen wir uns überhaupt davon zu lösen?

Es sind die Menschen, die den äusseren Zwang des Geldes eingerichtet haben, durch nichts sonst auf ihn verpflichtet als durch sich selbst. Aber sie haben ihn zu dem eingerichtet, was ihre Welt im Innersten zusammenhält. Wir müssen uns darüber klar sein, wie tief in uns und in allem, was wir überlegen, das Geld steckt. Und so müssen sie glauben – so müssen wir glauben, nicht wir hätten mehr über ihn, sondern er allein über uns zu entscheiden. Können wir wollen, dass der Geldzwang entscheidet? Wollen wir es dulden?

Auch heute – nach 500 Jahren Europäischer Geschichte – finden wir uns in einer umfassenden Krise wieder. Es ist eine Finanzkrise, ja. Und das heisst: eine Krise, die sich das Geld selbst bereitet – und damit unter anderem uns. Dennoch, das Geld funktioniert ja weiter, als wäre nichts geschehen, und wenn es an die «systemrelevanten» Belange geht, da bieten Staaten all ihre Macht auf, damit es dabei bleibt. Eine grosse, eine sehr grosse Macht. Doch was, wenn sie eines Tages nicht mehr ausreicht? Wenn die Macht auf der anderen Seite doch noch grösser ist?

Wir werden uns fragen müssen, nein, wir müssen uns jetzt fragen: Was wollen wir dem entgegensetzen? Oder besser: Was wollen wir an dessen Stelle setzen? Wie auch immer die Antwort darauf lauten mag - müssen wir uns darüber klar werden, wie tief in uns und in allem, was wir überlegen, genau das steckt, womit es anders werden soll: Nämlich das Geld und die Denkleistung, die es uns abverlangt.