«Geld: ein Versprechen?»

Geld und Beziehung III: Die Welt als Umwelt

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Das Gegenüber und Gegeneinander von je Einzelnem und einem abstraktem Gesamt ist das notwendige Ergebnis einer geldvermittelten Gesellschaft. Als Ergebnis dessen, dass darin jeder sein Leben über Geld zu bestreiten hat, trägt er dieses Gegenüber einerseits bereits in sich. Er empfindet sich als Subjekt in einer Objektwelt, sieht sich als ein einzelnes Innen umgeben von einem gesamten Aussen. Mit der geldvermittelten Gesellschaft setzen daher die solipsistischen Deutungen der Welt ein, Deutungen, die von einem in sich eingeschlossenen Ich ausgehen, das sich nur auf sich selbst bezieht und sonst umgeben ist von einer unendlichen Gesamtheit ebensolcher Einheiten – so wie etwa der Nullpunkt eines Koordinatensystems umgeben ist von der Gesamtheit aller übrigen Punkte dieses Systems. Es ist ein Ich, dem die gesamte übrige Welt als blosses Nicht-Ich erscheint, als abstrakte Negation seiner selbst, ein Ich, das letztlich nur weiss, was in ihm selbst vorgeht, und nichts wirklich von dem, was ihn – nach dieser Vorstellung – nur und ausschliesslich umgibt.

Die Aussenwelt als verkäufliches Etwas

Aber jeder trägt diese Art einer Entgegensetzung von Innen und Aussen nicht nur in sich, er trägt sie auch nach aussen: Er muss sie austragen. Der Geldzusammenhang, dem er diese Entgegensetzung entnimmt, spielt ja vor allem und ursprünglich in dieser Aussenwelt, da er jeden darauf verpflichtet, mit Geld durchzukommen und dafür also an Geld zu kommen. An dieses Geld aber kommt jeder nur, indem er etwas gegen Geld zu verkaufen hat, also muss unsere Welt als Aussenwelt – Stück für Stück – zu einem solchen verkäuflichen Etwas gemacht werden, zur Ware. Die Welt wird zum Zugriffsfeld einer immer intensiveren Suche nach etwas, was sich zur Ware machen lässt. Und so unnachgiebig der Zwang ist, der dies vorgibt, so gnadenlos der Zugriff, so rücksichtslos: so letztlich ganz und gar selbstbezogen.

Die Umwelt wird zur Unwelt

Umwelt: So wird die Welt deshalb genannt seit einer Zeit, als sie sich insgesamt durch diesen Zugriff gefährdet zeigt. Tatsächlich, als Umwelt wird sie von den Geldsubjekten behandelt, die auf sie zugreifen, als wären sie nicht selbst Bestandteil dieser Welt, als würden sie nicht zugleich selbst in ihr leben, sie, die diese Welt mit ihrem Zugriff zerstören, vergiften und – man muss sich nur einmal umsehen – so unwirtlich machen. Der Umweltgedanke, der dem wehren will, beharrt insofern auf der gleichen falschen Sicht, der er wehren müsste: die Welt als Umwelt zu behandeln, als ein Aussen – nur dass mit diesem Aussen eben pfleglich umzugehen sei. Die Welt aber bleibt Umwelt, solange sie kapitalistisch in den Blick genommen wird, und kein pfleglicher Umgang mit ihr wird insgesamt möglich sein, solange der Geldzwang fortbesteht. Bleibt er, macht er die Umwelt unaufhaltsam zuletzt zur Unwelt.