«Sprechende Münzen»

Geld als Denkform: Denken an Geld und Denken in Geld

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Verstehen, was Geld mit uns macht

Eske Bockelmann spricht zum Thema Geld als Denkform

 «Geld als Denkform» – was ist das? Nun, das lässt sich sehr knapp sagen: Es ist seltsamerweise der Schlüssel, um zu verstehen, was das Geld mit uns macht – und was es mit der Welt macht. Geld hat seine Krisen, ja, gewaltige Krisen, Krisen, die ganze Länder ins Elend stürzen und selbst in den krisensichersten Staaten für jede Menge, na, sagen wir einmal, Unerfreuliches sorgen. Aber in diesen Krisen geht es doch offenbar um knallharte Berechnungen, um Bezifferbares, um Summen und Unsummen, um Plus und Minus, es geht, wie es scheint, um objektiv messbare Dinge – nicht um Denken oder so etwas wie eine Denkform, was immer das sein mag. Aber: dass wir uns diesem berechenbaren Desaster überhaupt aussetzen oder ihm ausgesetzt sind, das hat sehr wohl etwas damit zu tun, wie Geld unser Denken formt. Und darum soll es hier gehen – unter dem grossen Titel: «Geld als Denkform».

Wir denken an Geld – und denken damit unwillkürlich auch in Geld: in einer Form, die uns der Umgang mit Geld vorgibt, ja, die er uns abverlangt. Und diese Form, diese Denkform, die reicht weit, sie reicht tief in unser Innerstes, viel, viel tiefer, als man würde glauben wollen. Und sie reicht so weit – sagen wir ruhig einmal: wie unser Denken. Und unser Denken, das reicht bekanntlich sehr weit.

 

Geld beschäftigt unser Denken

Eske Bockelmann spricht darüber, wie Geld unser Denken beschäftigt.

Machen wir uns für den Anfang nur einmal klar, was überhaupt eine Denkform ist – als etwas, das uns das Geld vorgibt, etwas, wo das Geld unser Denken in seiner Form prägt. Geld und Denken – ja, das ist klar, das versteht sich: Geld beschäftigt unser Denken, wir denken viel ans Geld und müssen viel ans Geld denken. Immerhin leben wir heute alle davon, wir alle brauchen Geld zum Leben und also müssen wir unser Leben lang auch viel ans Geld denken. Nun: Wenn man an etwas denkt, bedeutet das aber eigentlich nur, dass wir dieses Etwas zum Gegenstand unseres Denkens machen. Wollen wir Geld als Denkform erkennen, müssten wir auf etwas anderes stossen: nicht nur darauf, dass wir an Geld denken, sondern darauf, dass wir in Geld denken. Und beim Geld bedeutet tatsächlich das eine auch schon das andere: ein Denken an ist ein Denken in. Machen wir uns einmal klar, was für ein besonderes Ding das Geld ist, anders als alle Dinge sonst.

 
Eske Bockelmann spricht darüber, wie Geld unser Denken formt.

Geld formt unser Denken

Überlegen wir: Wie ist es zum Beispiel, wenn wir nicht an Geld denken, sondern an irgendetwas anderes, ein Stück Kuchen, an einen Hund oder an die Oma? Wir sehen sie vor uns, wir stellen sie uns vor, wir haben Kuchen, Hund und Oma irgendwie vor Augen. Das haben wir beim Geld nicht. Wenn man von jemandem sagt, er denkt ans Geld, heisst das in der Regel nicht, dass er sich da schöne Geldscheine vorstellt oder etwas in der Art. Natürlich, auch das kann er tun. Aber wenn wir – noch deutlicher – sagen: «Der denkt immer nur ans Geld!», dann meinen wir doch offensichtlich damit: Er denkt bei allem Möglichen daran, dass es ihm Geld einbringt oder dass es ihn Geld kostet. Normalerweise werden wir bei einer solchen Feststellung moralisch: Wer immer nur ans Geld denkt, lächelt uns zum Beispiel freundlich an – weil er bedenkt, dass wir gute Kunden sind. Er betreut seine Mutter – und fragt sich, wer ihm den zeitlichen Aufwand bezahlt. Er vermeidet es, da oder dort mit Hand anzulegen – weil er weiss, dass es ihm nichts einbringen wird. Er denkt ans Geld – nicht in dem Sinn, dass er es zu seinem Denkgegenstand macht, dass er über Geld nachdenkt (so wie wir es gerade tun), sondern in dem Sinn, dass er sein Denken danach ausrichtet, dass er sein Denken also danach formt. An Geld zu denken, heisst in diesem Sinn, alles Mögliche in unserem Leben nach etwas auszurichten, mit einem Interesse zu verbinden: dem Interesse, das wir am Geld haben müssen. Sprechen wir einmal aus, worin dieses Interesse besteht: darin, für etwas (möglichst) viel Geld zu bekommen oder umgekehrt (möglichst) wenig geben zu müssen. Alles Mögliche, womit wir es in unserem Leben zu tun haben, verbinden wir in Gedanken mit dem, was es uns einbringt oder was es uns kostet. Das ist es, wenn es heisst, wir denken an Geld – es ist notwendig ein Denken in Geld: in der Form von Geld. In der Form, das heisst auch: Wenn wir so denken, muss es gar nicht mehr direkt um eine Geldsumme gehen. Denn wenn wir uns bei irgendetwas überlegen, was es uns bringt oder einbringt, dann müssen wir gar nicht buchstäblich an Geld dabei denken, an eine bestimmte Summe, die dabei für uns herausspringt oder die wir dabei verlieren. Sondern wir denken – vom Geld an diese Form zu denken gewöhnt – ganz allgemein in der Verbindung, dass uns etwas etwas einbringen könnte. Ans Geld zu denken heisst in dieser Form zu denken. Es ist nichts Berechenbares, keine Summe, kein Plus oder Minus, es ist eine Denkform «Geld». Wir sehen also, dass Geld unserem Denken nicht bloss einen Gegenstand vorgibt, den es betrachten würde, sondern etwas wie eine Ausrichtung: dass Geld unser Denken also offensichtlich formt. 

So einfach fürs Erste. Doch in dieser Denkform steckt noch sehr viel mehr.