«Währungen von A-Z»

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Manchmal sind wir unsere grössten Feinde beim Investieren. Vorurteile können uns irrational handeln lassen und somit die Anlageresultate schmälern. Meist wissen wir gar nicht um diese unbewussten Tendenzen. QLAB hat diesen Bereich untersucht und in drei Videos verarbeitet. Am besten schaut man sich die Videos in folgender Reihenfolge an: 

  • 1. Psychologie und Investieren
  • 2. Investieren mit kühlem Kopf
  • 3. Attraktive Renditen mit weniger Risiko als mit Aktiendepots


Psychologische Fallen beim Investieren vermeiden

Hallo! Ich heisse Steven Bates, und ich bin der CEO der Firma QLAB Invest.

In einem vorhergehenden Video habe ich erläutert, dass es Verhaltensmuster gibt, die uns alle beeinflussen können, wenn wir als Investoren tätig sind. In den folgenden fünf Minuten möchte ich erklären, wie man die aus diesen Mustern entstehenden psychologischen Fallen vermeiden kann, um dann in Ruhe investieren, die Sorgen vermeiden und auch durch Zyklen hindurch bei den Investitionen bleiben kann.

Die wissenschaftliche Forschung hat einige interessante Eigenschaften der Finanzmärkte zu Tage gebracht:

  1. Die Märkte unterliegen wiederkehrenden Zyklen, die von der Gier, den Ängsten und dem Herdentrieb der Investoren abhängig sind.
  2. Risiken sind kurzfristig vorhersehbar – wie bei einem Erdbeben bleiben auch die Risiken an den Finanzmärkten nach einem Schock hoch, bevor sie wieder zurückgehen.
  3. Momentumeffekte, die durch den Herdentrieb verursacht werden, führen dazu, dass sich Trends für einige Zeit halten können. Das gilt für Abwärts- wie auch für Aufwärtstrends.
  4. Starke Marktkorrekturen können zu jeder Zeit vorkommen, weshalb man ein robustes und unabhängiges Risikomanagement benötigt.
  5. Investitionsprozesse sollten sehr diszipliniert – im Idealfall systematisch – sein, damit man sich nicht von den eigenen Emotionen zu Fehlhandlungen verleiten lässt.

Wenden wir uns nun der Frage zu, wie man diese Kenntnisse bei der Verwaltung eines Investionsportofolios anwenden kann.

Diese Grafik zeigt die jährlichen Renditen von vier verschiedenen Anlageklassen während der vergangenen 30 Jahre. Die Klassen sind US-Aktien, eine breite Auswahl von Rohstoffen, US-Schatzbriefe und ein Währungskorb im Vergleich zum US-Dollar.  Ich habe diese Anlagen ausgewählt, weil sie diversifiziert, sehr liquide und preiswert zu erwerben sind.

Passiv investieren und entspannen?

Als Erstes fällt einem auf, dass es eine starke Tendenz zu positiven Renditen gibt. Dies ist ein Zeugnis für die sogenannte Risikoprämie, und Anhänger der Hypothese der effizienten Märkte behaupten, dass diese Rendite ein Freifahrtschein ist – man müsse lediglich passiv investieren und sich dann entspannt zurücklehnen. Allerdings weisen die grau schattierten Flächen auf Perioden hin, in denen eine Anlageklasse länger als ein Jahr hindurch an Wert verlor. Dies zeigt, dass eine solche Anlagestrategie alles andere als entspannend wirken kann.

Wenn man zum Beispiel diese Anlagen gleichmässig gewichtete und passiv in sie investierte, lieferten sie ein Rendite, die 4% höher als Bareinlagen war und eine Volatilität von 8% aufwies. Das ist gar nicht so schlecht. Allerdings betrug der Verlust während der schlimmsten Negativphase vom höchsten bis zum niedrigsten Wert mehr als 30%. Bei solchen Verlusten kann es vorkommen, dass die Investoren in Panik verfallen und sich aus dem Markt zurückziehen, wodurch sie dann die Erholungsphase verpassen. Wenn man sich von Emotionen steuern lässt, werden oft spontane Entscheidungen zum schlimmstmöglichen Zeitpunkt gefällt. Diese Investionsstrategie ist eigentlich überhaupt nicht passiv.

Es wird Ihnen aufgefallen sein, dass immer dann, wenn eine Anlageklasse an Wert verlor, mindestens eine andere an Wert gewann. Dies rührt daher, dass die Investoren ihr Geld in andere Anlagen verlagerten, da sie höhere Renditen oder grössere Sicherheit suchten.

Ein aktiver Portfolio-Manager sollte diese Anlageklassen also als konkurrierend betrachten und die Verteilung regelmässig ändern, um die leistungsstärkeren Klassen zu bevorzugen und die schlechtesten zu meiden.

Sehen wir uns einmal das Ergebnis eines solchen Umverteilungsprozesses an.

Naives Portfolio versus aktives Portfolio

Das erste Portfolio besteht aus den vier Anlageklassen und Barvermögen. Ich bezeichne es als das naive Portfolio. Es ist das nährungsweise gleichgewichtete Investionsuniversum, das monatlich neu gewichtet wird, was sich darin zeigt, dass die Gewichtung der Anlageklassen im Laufe der Zeit nicht verändert.  Tatsächlich ist dieses Portfolio nicht im strikten Sinn passiv, da die Gewichtung der Anlageklassen monatlich korrigiert wird, um den Zielwerten zu entsprechen. Dies ist eine Technik, mit der man die risikokorrigierte Rendite verbessert und die deshalb eine Zielvorgabe darstellt, die schon schwerer zu übertreffen ist. Die Leistung des naiven Portfolios wird durch die blaue Linie dargestellt. Sie ist im Vergleich zum amerikanischen Aktienindex S&P500 gut, da sie stärker diversifiziert ist. Allerdings sieht man auch den relativ starken Verlust von etwa 30%, der am Ende des Jahres 2008 eintrat. Wenigstens war er geringer als der Verlust von 50%, der zu dieser Zeit am Aktienmarkt entstand.

Das zweite Portfolio ist aktiv, es hat eine Umverteilung zum Ziel, bei der die leistungsfähigsten Anlageklassen bevorzugt und die sich schlecht entwickelnden gemieden werden. Man sieht, dass es gelegentlich zu Rückzügen aus bestimmten Anlageformen kommt, so etwa bei Aktien während der Technologiekrise im Jahr 2001 und der Kreditkrise des Jahres 2008 (rot dargestellt). Auf ähnliche Weise kam es zu einem Rückzug aus US-Schatzbriefen hin zu Baranlagen, als Mitte der 2000er-Jahre die Zinsen anstiegen. Es handelt sich in diesem Fall nicht um Leerverkäufe, sondern um einfache Reduzierung oder den vollkommenen Ausstieg aus einer Anlageklasse. Die Leistung, die sich dadurch ergibt, ist grau dargestellt. Man sieht, dass sie sehr viel gleichmässiger verläuft.

Hier wird die Leistung der beiden Portfolios im Vergleich dargestellt.

Das naive Portfolio lieferte eine jährliche Rendite von 7,5 % bei einer Volatilität von 8%. Hier zeigt sich im Jahr 2008 ein starker Verlust von etwa 30%, der vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Investitionen in Aktien aufrecht erhalten blieben, als es zur Kreditkrise kam. An diesem Punkt hätte ein passiver Investor von Panik befallen werden und sich zu Verkauf entschlossen haben können.

Die aktive Anlagestrategie konnte diese Verluste jedoch vermeiden, da sie sich zeitweise aus Aktien und auch aus Rohstoffen zurückzog. Die resultierende jährliche Rendite war mit 9,5% um 2% höher und wies eine Volatilität von 6% auf. Wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass die höchsten Verluste lediglich 7% betrugen. Auf jeden Fall war die Strategie nicht so nervenaufreibend, was dazu führt, dass der Investor eher bei seinen Investitionen bleibt und so den gesamten Zyklus durchhält.

Die rollende Rendite der aktiven Strategie

In dieser letzten Abbildung sieht man, was ich für am wichtigsten halte. Die rollende Rendite der aktiven Strategie im Vergleich zu jener der naiven Strategie. Auf der linken Seite bleibt bei der aktiven Anlagestrategie die Rendite positiv, während sie im naiven Portfolio negativ ist. Auf der rechten Seite zeigt sich, dass die aktive Strategie auch gute Leistungen aufweist, wenn das naive Portfolio gute Ergebnisse liefert. Im Wesentlichen handelt es sich um eine hohe Beta-Korrelation bei steigenden Märkten und eine geringe Beta-Korrelation bei fallenden Märkten.

Diese Eigenschaft wird als Konvexität bezeichnet. Sie resultiert aus der Effektivität des robusten Risikomanagments und der systematischen Auswahl der Anlagen.

Man hört oft die Aussage, dass es unmöglich sei, immer besser als der Markt zu sein. Ich glaube nicht, dass es darum geht, durchgehend «besser als der Markt» zu sein. Vielmehr muss man mit dem Markt mithalten, wenn er nach oben tendiert, und nur dann besser sein, wenn er nach unten zieht. Dann erhält man konvexe Renditen.

So reduzieren sich die mit dem Investieren verbundenen Sorgen beträchtlich, und der Anleger erhält die Seelenruhe, die notwendig ist, um den ganzen Zyklus hindurch am Markt zu bleiben. Dies ist die beste Methode, um die Risikoprämie einzuheimsen und auf Dauer den eigenen Wohlstand zu mehren.