«Währungen von A-Z»

Zur Psychologie fehlerhaften Handelns

 zurück

Im Rahmen von «Geld kritisch» der Sunflower Foundation spielen psychologische Themen eine Rolle. Was sind zum Beispiel Motive, um Geld zu verdienen? Oder Falschgeld zu drucken? Das Tätigsein und die Arbeitswelt spielen eine Rolle. Hier soll das fehlerhafte Handeln im Vordergrund stehen. Ein Thema aus der Arbeits- und Organisationspsychologie, das für alle Lebensbereiche interessant ist.

 

Prof. Dr. Theo Wehner
Arbeits- und Organisationspsychologie, ETH Zürich

 

 

Errare humanum est

Fehler werden tabuisiert

In unserer Gesellschaft, ob in der bezahlten Arbeitswelt oder privat, werden Fehler eher tabuisiert, man versucht, sie kleinzureden oder Schuldige ausserhalb sich selbst zu finden. Das «Irren ist menschlich», errare humanum est, gilt hier nicht als Tugend.

Was sind aber eigentlich Fehler? Es sind Zielverfehlungen, die aber enorme Lernmöglichkeiten bieten.

 

Fehlerfreundlichkeit fördern

Theo Wehner spricht zum Thema Fehlerfreundlichkeit

In unserer Gesellschaft, ob in der bezahlten Arbeitswelt oder privat, werden Fehler eher tabuisiert, man versucht, sie kleinzureden oder Schuldige ausserhalb sich selbst zu finden. Das «Irren ist menschlich», errare humanum est, gilt hier nicht als Tugend.

Was sind aber eigentlich Fehler? Es sind Zielverfehlungen, die aber enorme Lernmöglichkeiten bieten.

Prof. Wehner, Arbeits- und Organisationspsychologe an der ETH Zürich, hat sich über 30 Jahre mit Fehlerfreundlichkeit beschäftigt. Arbeit soll so gestaltet sein, dass  Abweichungen nicht in die Katastrophe führen, sondern dass Abweichungen oder Zielverfehlungen, was Fehler eigentlich sind, Lernmöglichkeiten sind. Ein Sprichwort sagt: «Aus Fehlern lernt man» oder «aus Schaden wird man klug», dem könnte man hinzusetzen: «Aus was sonst, denn aus Fehlern, lernt man.» «Warum habe ich …?» hat hohen Aufforderungscharakter ans Lernen.

Oft sind das antipizierte Ziel und das erreichte Ziel durch eine Lücke, einen gap, getrennt. Was lernt man nun aus dieser Lücke? In Zukunft können Ziele besser antizipiert, vorausgesehen werden, die Kompetenz steigt in vielen Lebensbereichen.

  
Theo Wehner spricht zum Thema Fehler und Kunst

Ich würde gerne in die Kunst überleiten. Viele Künstler haben sich mit Fehler auseinandergesetzt. Mauricio Kabel, ein Komponist, hat absichtlich falsche Töne komponiert, im Ballett würde man heute z.B. stolpern oder gar Stürze mit einkalkulieren, in die Choreografie mit aufnehmen, in der Lyrik hat mich Ernst Jandl immer fasziniert mit einem Vierzeiler in einem 1966 erschienenen Büchlein „laut und Luise“ und der lautet so:

 

Lichung

Manche meinen

Lechts und Rinks

kann man nicht

velwechsern.

Werch ein Illtum.

 

Jandl ist sich bewusst, dass wir sofort verstehen um was es geht, aber er will uns in die Tiefe der Sprache einführen, er will uns die Ästhetik der Sprache zeigen, indem er die Laute verkehrt.