«Abschaffung des Bargeldes»

Machtgerangel: Der Investiturstreit und die Besetzung des Erzbistums Mainz im Spiegel einer Erfurter Münze (um 1150)

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Im Investiturstreit ging es nicht nur um die geistliche Macht, sondern auch um viel Geld. Der Papst forderte vom Kölner Bischof Heinrich die reiche Pfründe Heidenheim. Und er bekam sie. Wie, das erfahren Sie hier.


 

Begleiten Sie uns auf unserer Reise durch die Welt des Geldes. Heute machen wir Halt in Erfurt. Wir befinden uns im Jahr 1150.

 

E-R-P-E-S-F-O-R-DI – „Erpesfordi“, ‚Erfurt‘ kann man links auf unserer Münze lesen. Das Stück kommt also aus Erfurt, der heutigen Landeshauptstadt des deutschen Bundeslandes Thüringen. Auch der Prägeherr ist genannt: Die Buchstaben N-R-I-C-H lassen sich zu Heinrich ergänzen, und dieser Heinrich ist auf unserer Münze dargestellt.

 

Sehen Sie nach unten. Da steht er, die Hände zum Gebet erhoben. Stolz trägt er die Mitra des Bischofs mit ihren zwei Spitzen und den Pendilien, Stoffbändern, die von der Mitra herabfallen. Gerade noch angedeutet ist das Pluviale, ein aufwändig geschmückter, weiter Mantel, der bei großen Prozessionen als eindrucksvolles Gewand diente. Und wer genau hinsieht, erkennt sogar das Brustkreuz, die typische Insignie des Bischofs.

 

Zu wem aber betet unser Heinrich? Auch das ist auf unserer Münze zu sehen. Über ihm thront ein zweiter Bischof, der mit noch eindrucksvolleren Insignien der bischöflichen Macht geschmückt ist. Auch er trägt die Mitra mit den Pendilien, das Pluviale, das Brustkreuz, aber dazu hält er in seiner rechten Hand den bischöflichen Krummstab, und – was für den mittelalterlichen Betrachter das Wichtigste war – in der linken Hand das Kreuzszepter als Zeichen der weltlichen Macht in seinem Bistum.

 

Und damit sind wir mittendrin in dem, was die Geschichte den Investiturstreit nennt. Vom französischen Kloster Cluny aus verbreitete sich die Idee, die Geistlichkeit solle doch bitte unabhängig sein von der weltlichen Macht. Das war natürlich ein schöner Gedanke, hätten die Herrscher der Vergangenheit den geistlichen Fürsten nicht so viel von ihrer Macht übertragen gehabt. Sie hatten aus Geistlichen mächtige Fürsten gemacht, die ihnen halfen, ihr Reich zu verwalten.

 

Nehmen wir nur den Erzbischof von Mainz. Er kontrollierte ein riesiges Gebiet, zu dem um die Jahrtausendwende nicht nur Erfurt gehörte, wo unsere Münze geprägt wurde, sondern der ganze Osten mit den Bistümern Prag und Olmütz.

 

Dazu leitete der Erzbischof von Mainz die Wahl des deutschen Königs. Und er war der Erzkanzler des deutschen Reichs, was bedeutete, dass jeder Erzbischof von Mainz das Gedächtnis des Reichs, das Urkundenarchiv, kontrollierte. Damit verfügte er über eine gewaltige Macht, und es war für den deutschen König enorm wichtig, dass ein Mann seines Vertrauens auf diesem Posten saß.

 

Heinrich war so ein Mann. Kaiser Konrad III. hatte ihn eingesetzt. Papst Innozenz II. hatte seine Zustimmung gegeben. Doch Päpste wechselten damals schnell. Und Eugen III. war mit der Politik Heinrichs nicht zufrieden.

 

Zankapfel war Stift Heidenheim. Das war eine äußerst reiche Pfründe, in der zuerst Benediktiner gelebt hatten, bis das Kloster um 790 in eine Gemeinschaft von weltlichen Geistlichen umgewandelt worden war. Der Papst hätte es nun gerne gesehen, wenn wieder die Benediktiner eingezogen wären. Die hätten seine Reformpläne unterstützt und die Einkünfte des Klosters in seinem Sinn ausgegeben. Erzbischof Heinrich dagegen war nicht bereit, diese wichtige finanzielle Stütze seines Bistums kampflos aufzugeben. Und in diesem Sinne kann unser Brakteat verstanden werden.

 

Der eindrucksvolle Bischof, zu dem Heinrich betet, ist nämlich niemand geringerer als der heilige Martin von Tours, der nach den – wahrscheinlich gefälschten – Urkunden von Mainz der erste Bischof auch dieses Bistums war.

 

Der heilige Martin galt als das Ideal jedes Priesters, jedes Bischofs. Er hatte Kaisern und Päpsten widersprochen. Er stand für die Unabhängigkeit der Bischöfe – und die forderte Heinrich für sein Erzbistum ein.

 

Nur schade, dass er nach dem Tod Konrads III. auf den falschen Mann setzte. Erzbischof Heinrich war ein Gegner des ehrgeizigen Friedrich Barbarossa. Dass der ihn nach seinem Sieg zu ersetzen versuchte, war klar. Es gelang, trotz der heftigen Proteste eines Bernhard von Clairvaux und einer Hildegard von Bingen. Denn Eugen III. unterstützte Friedrich Barbarossa - und erhielt dafür sein Benediktinerkloster in Heidenheim.

 

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