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Es gibt eine ganze Reihe sehr merkwürdiger Namen für Münzen, die eine kleine Geschichte dazu zu erzählen haben. Manche nehmen auf die Art ihrer Herstellung Bezug, manche auf das Bild oder das Aussehen der Münze, andere wiederum auf besondere Anlässe oder unsaubere Regierungsmethoden des Regenten. | ||||||||||
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Münznamen, die auf die Herstellung Bezug nehmenGefütterte Münzen: So werden Münzen genannt, die unter ihrer Gold- oder Silberoberfläche einen Kern aus Kupfer oder Bronze haben. Es handelt sich oft nicht um gefälschte Münzen, sondern um Verfälschungen im Auftrag des Münzherrn. Man nennt sie auch Subaerati. Sie sind besonders bei römischen Denaren der Kaiserinnen des 1. Jhs. n. Chr. zu finden. Sandwichmünzen : Diese Münzen sind aus verschiedenen Schichtwerkstoffen hergestellt, z.B. 2-DM- und 5-DM-Stücke der Bundesrepublik Deutschland. Dieser Werkstoff wird MAGNIMAT genannt. Er besteht aus Kupfernickel an den Oberflächen und hat einen magnetisierbaren Nickelkern. Dadurch ist er automatensicher. gun money "Kanonengeld": Dieser Begriff zielt nicht auf den Zweck, etwa "Geld für Kanonen", wie man zunächst meinen könnte, sondern auf das Material, aus dem die Münze hergestellt wurde, nämlich aus Kanonenmetall. gun money wurde unter Jakob II. in Irland von 1689-1691 als Notgeld geprägt. |
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Münznamen, die auf das Bild Bezug nehmenDüttchen : In Ost- und Westpreussen nannte man das 3-Groschen-Stück seit dem 16. Jh. Düttchen. Die Münze war sehr weit verbreitet, auch in Südostdeutschland und Ungarn. Der Name kommt wahrscheinlich von dem polnischen Wort "dudek" = Wiedehopf. Mit diesem Vogel spielte man spottend auf den Reichsadler an, der auf der Münze abgebildet war. Der Name ging im Volksmund auf die preussischen Silbergroschen und später auf das 10-Pfennig-Stück über, das gelegentlich noch heute so genannt wird. Hahnekämme : So nannte man die brandenburgischen 2-Pfennig-Münzen, die von 1670-1700 geprägt wurden. Sie erhielten ihren Namen wegen der Palmzweige auf der Rückseite der Münze, die wie Hahnenkämme (siehe Sterbemünzen) aussehen. Nasenblutengulden : So bezeichneten die Leute den 2/3-Taler von 1693 des Kurfürsten Ernst August von Hannover. Der Name kam zustande, weil wegen eines Münzstempelrisses unter der Nase des Fürsten ein Bild entstand, das wie Nasenbluten aussieht. Papphahn : Papphahn wurde Anfang des 17. Jhs. das mecklenburgische 4-Schilling-Stück betitelt, das wegen der Darstellung des Reichsadlers diesen Spottnamen bekam, denn Papphahn = Papageienhahn. Der Name blieb, auch als die späteren 4-Schilling-Stücke ein anderes Gepräge hatten. Auch die Schreckenberger von Braunschweig, Hessen und Sachsen nannte man so. Rumpelheller : Dies war der volkstümliche Name für den Heller der Stadt Breslau von 1422. Das Bild zeigte das Gesicht des Hl. Johannes. Die Breslauer glaubten, in dessen Ausdruck die Züge ihres ungeliebten Ratsherrn Rumpel wiederzuerkennen. Sargnägel : Sargnägel oder Sargpfennige ist die makabre Bezeichnung für mittelalterliche Hohlpfennige des Bistums Halberstadt. Auf ihnen ist der Hl. Stephan dargestellt. Sein Oberkörper ist jedoch viereckig wie ein Sarg gebildet, und sein asketisches Gesicht ähnelt einem Totenschädel. Satansmünze : Als Satansmünze bezeichnete man den böhmischen Pfennig des Herzogs Wladislaus I. (1107-1125) mit dem Kopf Satans und der Umschrift Satanus. Der Kopf trug Hörner, war langnasig und hatte struppiges Haar, die wie ein Hahnenkamm wirkten. Der Herzog liess die Münze prägen, als unerklärliche Naturerscheinungen auftraten, die man als Werk Satans ansah. Schlafrocktaler : So nannte das Volk spöttisch den seltenen Konventionstaler von 1816, der unter Friedrich August I. von Sachsen (1806-1827) geprägt wurde. Der Name ist auf den zu weiten Uniformrock des Königs zurückzuführen. Schwanzdukaten : So oder auch Zopfdukaten nannte das Volk die Dukaten Friedrich Wilhems I. von Preussen. Sie zeigten das Brustbild des Königs mit Zopf. Auch seine Taler, Gulden, Tympfe und Groschen wurden so bezeichnet. "Schweinegeld" (hog money) : Schweinegeld ist kein Naturalgeld, wie man zunächst glauben könnte, sondern eine Münze. Hog money sind Kupferschillinge von England, die für die Bermuda-Inseln im 17. Jh. geprägt wurden. Auf der Vorderseite ist ein Dreimaster, auf der Rückseite ein Wildschwein (= hog) abgebildet. Wespentaler : So oder auch Mückentaler nannte man den Taler von 1599, den Herzog Heinrich Julius von Braunschweig ausgab. Die Rückseite des Talers zeigt einen Löwen, der von zehn Wespen angegriffen wird, und einen Adler, der beschützend über dem Löwen dahinfliegt. Die Wespen sollen die zehn Geschlechter darstellen, die gegen den Herzog rebellierten. Der Adler symbolisiert den kaiserlichen Schutz, der ihm zuteil wurde.
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Münznamen, die auf unsaubere Methoden des Regenten Bezug nehmenBartkopeken : Unter der Bezeichnung Bartmarken wurde von Zar Peter dem Grossen (1682-1725) in Russland 1705 diese Münze eingeführt. Die Kupfermarken galten als Quittung für die bezahlte Bartsteuer. Peter der Grosse liess zur Finanzierung des Nordischen Krieges (1700-1721) vielerlei besteuern, so auch Ofenrohre, Brennholz, Mützen und Stiefel. |
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| Ephraimiten : Veitel Ephraim war Münzpächter und betrieb die Münzstätte in Leipzig unter Friedrich dem Grossen (1740-1786). Infolge des Siebenjährigen Krieges beauftragte ihn der König, die Silbermünzen systematisch zu verschlechtern. Man schrieb aber nicht dem König diese Geldverschlechterung zu, sondern seinem Münzpächter Ephraim. Das Volk spottete über die Münzen: "Von aussen schön, von innen schlimm, von aussen Friedrich, von innen Ephraim". | |||||||||||
| Seufzer : Seufzer ist die volkstümliche Bezeichnung für die sächsischen 6-Pfennig-Stücke der Jahre 1701 und 1702. Diese waren in riesigen Mengen (ca. 28 Millionen) unter Friedrich August I. (dem Starken) von Sachsen (1694-1733) in Umlauf. Sie waren stark unterwertig ausgeprägt, d.h. sie enthielten sehr viel Kupfer anstelle des Silbers. Dadurch sank die Kaufkraft stark. Das Volk war davon schwer betroffen und "seufzte" unter der schlechten Münze. | |||||||||||
| Tympfe :
Andreas Tympf war namengebend für eine polnische und preussische Münze.
Tympf war Münzpächter und prägte zwischen 1652 und 1667 in
verschiedenen Münzstätten. Die von Münzpächter Andreas
Tympf geschlagenen 1/3-Taler (Guldentympfe genannt) fielen in ihrem Wert
von 30 Groschen auf 18 Groschen. Tympfe wurden auch von Preussen von 1749 bis zum Siebenjährigen Krieg (1756-1763) in grossen Mengen geprägt. Sie verschlechterten sich aber während des Krieges so stark, dass sie von der Bevölkerung nicht mehr angenommen wurden und die Prägung 1765 eingestellt werden musste. |
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Münznamen, die auf einen besonderen Anlass Bezug nehmenAusbeutetaler : Der Name Ausbeutetaler hat nichts mit Ausbeuten im Sinne von "die Arbeitskraft eines Menschen ausnutzen" zu tun, sondern es handelt sich dabei um Taler aus der Ausbeute einer Silbergrube, deren Bild oder Name auf der Münze erkennbar ist. Es gibt auch noch andere Ausbeutemünzen: Dukaten, Gulden und Groschen. |
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| Beichttaler : So bezeichnete man die Taler des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen (1656-1680). Es hiess, der Kurfürst habe die Taler als Beichtgeld prägen lassen, die im 17. Jh. zeitweise als feste Abgabe des Beichtenden an den Beichtvater gezahlt werden mussten. | |||||||||||
| Gottesfreundtaler : Diesen Spotttaler liess Herzog Christian von Braunschweig, der von 1616-1629 Bischof von Halberstadt war, mit Kirchensilber besonders des Paderborner Domes prägen. Auf der Vorderseite steht "Gottes Freundt, der Pfaffen Feindt", daher der Münzname. | |||||||||||
| Pfaffenfeindtaler : Der Pfaffenfeindtaler ist ein Spotttaler des Herzogs Christian von Braunschweig, der von 1616-1629 Bischof von Halberstadt war. Auf der Vorderseite steht "Gottes Freundt, der Pfaffen Feindt". Diese Münzen wurden 1622 aus Kirchensilber geprägt. Nachprägungen gibt es aus der Zeit um 1671, als Rudolf August von Braunschweig den Bischof von Münster befehdete. | |||||||||||
| Rebellentaler : Der Rebellentaler von 1595 ist ein Spotttaler des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1589-1613). Er zeigt auf der Vorderseite den braunschweigischen Wilden Mann, dessen Speerspitze von einem Hund geleckt wird. Auf der Rückseite sieht man die Rotte Korah im Wappenkranz. Die Rotte Korah ist im Alten Testament ein horitisch-edomitisches Geschlecht, das sich an Juda anschloss und versuchte, zu Priestern aufzusteigen, was ihnen verboten war. | |||||||||||
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Schnapphahn (Snaphan) : Schnapphahn nannte man die berittenen Strassenräuber in Geldern im 15. Jh. Diesen Namen bekam auch der Dukaton des Herzogs Karl von Geldern (1492-1538), weil die Reiter auf der Vorderseite der Münze an solche Strassenräuber erinnerten. Sterbemünzen (allg.) : Sterbetaler oder Sterbemünzen sind Prägungen, die nach dem Tod des Münzherrn oder dem Tod von Angehörigen des Münzherrn mit deren Sterbedatum versehen sind. Wahrheitstaler : Als Wahrheitstaler bezeichnet man den Taler von 1597 des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig (1589-1613). Darauf ist eine Personifikation der Wahrheit zu sehen, die die Lüge zertritt. Damit wollte der Herzog seine Gegner treffen, die ihn verleumdeten (siehe auch Rebellentaler). |
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Sonstige merkwürdige NamenBlaue Mäuse (Blaumüser) : So hiessen in den Niederlanden die Halbstüber (siehe Stüber), die von der Stadt Nimwegen seit 1527 geprägt wurden. "Blau" bedeutete im Niederländischen soviel wie "geringwertig". Die Halbstüber enthielten nur wenig Silber, daher der Name. |
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| Fettmännchen - Magermännchen : Fettmännchen sind 8-Heller- oder Halbstüberstücke (siehe Stüber), die im Rheinland von 1583-1737 in Umlauf waren. Anfangs waren sie aus Silber, später aus Billon (siehe Material). Für den Namen gibt es zwei Erklärungen: 1. Fettmännchen waren gegenüber den Groninger Magermännchen (1577-1609 geprägt) doppelt soviel wert, 2. der Name war von dem schmierigen Aussehen aufgrund des häufigen Gebrauchs der Münze abgeleitet. | |||||||||||
| Käsch (Cash) : Dieses Wort gibt die deutsche (englische) Schreibweise für die runde chinesische Bronzemünze mit Loch in der Mitte wieder. Die original chinesische Bezeichnung lautet Ch'ien. Das Wort stammt aber ursprünglich aus dem Sanskrit und wurde Karscha ausgesprochen. Käsch stellte den kleinsten ostindischen Münzwert dar und verbreitete sich im 16. Jh. über ganz Ostasien. | |||||||||||
| Maria-Theresien-Taler : Nicht merkwürdig, aber absolut einmalig ist der Maria-Theresien-Taler. Dieser Taler mit dem Bild der Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) war bald eine der wichtigsten Handelsmünzen in der Levante. Bis ins 20. Jh. blieb er gültiges, manchmal sogar das einzige von der Bevölkerung akzeptierte Zahlungsmittel. Man prägte ihn über 200 Jahre lang immer wieder neu. Die in dieser Zeit geprägte Menge wird auf 300 000 000 bis 400 000 000 Stück geschätzt. Eine solche Prägezahl wurde von keiner anderen Silbermünze je erreicht. | |||||||||||
| Mühlsteine : Mühlsteine waren kein Gerätegeld, wie man denken könnte, sondern ein anderer Name der Schreckenberger. | |||||||||||
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Regenbogenschüsselchen : Bauern in Süddeutschland bis nach Böhmen und Ungarn fanden nach Regenfällen wohl immer wieder mal eine Goldmünze, die wie eine kleine Schüssel geformt war. Sie glaubten, dass am Ende eines Regenbogens diese Münzen ins Feld gefallen seien. So entstand der Name. In Wirklichkeit handelt es sich bei diesen Goldmünzen um keltische Münzen, die meisten von ihnen datieren aus dem 1. Jh. v. Chr. Schreckenberger: So oder auch Engelgroschen nannte man die sächsischen Groschen, die von 1498-1571 aus dem Silber des Schreckenbergs bei St. Annaberg geprägt wurden. Die ersten Schreckenberger wurden in einer alten Mühle geschlagen und bekamen deshalb den Namen Mühlsteine. |
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| Stüber oder Stüver : Stüber waren deutsche Nachahmungen der niederländischen Stüver im Wert von 2 Deut oder 4 Pfennigen. Die Münze wurde über 300 Jahre lang als Zahlungsmittel benutzt (Ende 15.bis Anfang19. Jh.). | |||||||||||
| Wanzen : Im 18. Jh. kursierten Bayreuther und ähnliche Pfennige, die wegen ihrer roten Farbe, d.h. mit einem geringen Silbergehalt, und ihrer Kleinheit die Sachsen zu dieser despektierlichen Namensgebung anregten. Als Sachsen seit 1772 Pfennige aus Kupfer prägte, verschwanden die Wanzen-Pfennige wenige Jahre später. | |||||||||||