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Eigentums-Vorstellungen

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„Besitzen Sie noch, oder teilen Sie schon?“ könnte man in Anlehnung an den bekannten Werbespruch eines schwedischen Möbelhauses fragen. Zumindest in der Generation der Untervierzigjährigen ist Teilen das neue Haben: Carsharing, Musikstreaming, gemeinschaftliches Nutzen von Geräten. Möglich machen dies die modernen Kommunikationsformen. Start-ups spriessen aus dem Boden und nutzen diesen Lifestyle-Trend auch ökonomisch. An dem Punkt stellt sich die Frage, ob ein gewinnorientiertes Unternehmen wie das Privattaxigeschäft Uber oder das professionelle Übernachtungsangebot AirBnB noch wirklich etwas zu tun haben mit ressourcenschonendem Teilen – obwohl sie gerade das gerne für sich reklamieren. Auch das Streamen von Medienangeboten (Sharing) ist eigentlich etwas anderes: Schliesslich tauschen nicht Privatnutzer CDs oder Schallplatten, sondern jeder Einzelne zahlt für eine Datennutzung.

Allerdings zeigt dies auch: Viele Menschen möchten weniger besitzen, Minimalismus ist angesagt, es geht nur noch um Nutzungsmöglichkeiten. Eine Studie der Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte von 2015 prognostizierte, dass 55 Prozent der Schweizer im Jahr 2016 Angebote der Sharing Economy nutzen wollten. Ist also das Ende des Privateigentums gekommen, wie die Wirtschafts-Onlinezeitschrift Wallstreet Online provokant fragte? Der US-amerikanische Ökonom und Soziologe Jeremy Rifkin beispielsweise glaubt, dass kollaborative Gemeingüter in den nächsten Jahrzehnten einen Boom erleben werden und der Kapitalismus bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts seine dominante Rolle verlieren wird.

Wie begreifen wir Eigentum? Als Ausgangspunkt für Forschungen können wir Eigentum als ein Konzept ansehen, das kulturelle Werte bestimmt, soziale Beziehungen definiert und uns in der Welt verortet. Mithin haben Eigentumsvorstellungen eine zentrale Bedeutung für unser Leben und unsere Wirtschaftsordnung. Gleichzeitig sind sie nicht universell, sondern kulturell abhängig. Unsere vermeintlich selbstverständliche Idee des Privatbesitzes ist keineswegs alternativlos, nicht einmal in unserer eigenen Kultur. Nehmen wir das Beispiel von Grund und Boden.

In der jüdisch-christlichen Tradition spricht Gott: „Grund und Boden darf nicht für immer verkauft werden, denn das Land ist mein, und ihr seid Fremdlinge und Beisassen bei mir.“ (Lev. 25.23) Im Anschluss folgen genaue Regeln für die praktische Anwendung im alltäglichen Leben. Land ist nur zur Nutzung von Gott gegeben, aber kein menschliches Eigentum, über das er willkürlich und uneingeschränkt verfügen könnte.

Überall auf der Welt gibt es bis heute ähnliche Vorstellungen. Kleinbauern bebauen und nutzen in zahlreichen Gegenden ihr Land gemeinsam. Für sie steht die „Lebensdienlichkeit“ im Vordergrund. Tagtäglich kommt es daher zu Konflikten, wenn grosse Konzerne oder gar Staaten von diesen Kleinbauern oder anderen Gemeinschaften Land aufkaufen, die Menschen vertreiben und ihnen so die Möglichkeit nehmen, weiterhin in ihrem am Gemeinwohl orientierten Lebensstil zu existieren.

Diese Fälle bieten ein grosses Potenzial für Forscher, unsere Eigentumsvorstellungen zu hinterfragen und mit anderen Lebensmodellen abzugleichen, die daraus entstehenden Konflikte zu analysieren und zu beobachten, welchen Einfluss die Globalisierung auf unser Leben hat. Wird das Konzept der Sharing Economy unseren Umgang mit traditionell lebenden Gesellschaften verändern? Oder bleiben die grossen Global Players immun gegenüber solchen vermeintlich alternativ-linken Ideen?

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