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Entstehung des modernen Geldes

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 „Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff es denn“, befiehlt der Kaiser dem Mephisto in Goethes Faust II. Er ahnt ja nicht, welche Geister er damit ruft! Mephisto schreitet zur Tat und wirft im wahren Sinn des Wortes die Gelddruckmaschine an. Doch die Deckung seines neuen Papiergeldes besitzt eine enorme Sprengkraft: Bislang trug das Gold, aus dem die Münzen geprägt wurden, den Materialwert in sich. Jetzt stehen hinter den Scheinen als „gewisses Pfand“ alle noch ungehobenen und somit nur angenommenen Bodenschätze, auf die der Kaiser vorsorglich Anspruch erhebt. Der Herrscher selbst hält dies für Schwindel und wundert sich ganz offen, dass das Papiergeld überhaupt jemand akzeptiert. Doch sein gedrucktes Wort gilt und die Geldnöte des Reiches scheinen gebannt. Uns Aufgeklärten ist natürlich klar: Auf Dauer kann das nicht gutgehen. Und in der Tat, wenig später betreten die drei Gewaltigen die Bühne: Raufebold, Habebald und Haltefest, Sinnbilder für Gewalt, Gier und Geiz.

Soweit die Literatur. In der Geschichte wurde Geld natürlich nicht einfach herbeigezaubert. Doch mit einem Aspekt lag Goethe gar nicht so falsch: In der frühen Neuzeit, etwa um 1600, ist tatsächlich das entstanden, was wir heute unter Geld verstehen.

Im Mittelalter und allen vormodernen Gesellschaften – etwa im antiken Griechenland, in Rom und bei den Kelten – waren die Zahlungsmittel zwar Teilder Wirtschaft, aber sie waren eben nur ein Teil. Ihnen fehlte der allumfassende Charakter, den sie in der Neuzeit einnahmen. Damals diente die Wirtschaft der Bereitstellung aller notwendigen Dinge, neben dem Kauf durch Geld tauschten die Menschen auch und produzierten vor allem möglichst viel selbst.

Die moderne Wirtschaft hingegen kann nicht mehr genug Geld haben, wie schon der Kaiser im Faust klagt. In unseren modernen Gesellschaften definiert Geld nämlich den Wert von allem und ist einziger Faktor, über den die allgemeine Versorgung funktioniert. Wer kein Geld besitzt, ist faktisch von der gesellschaftlichen Teilhabe und in letzter Konsequenz dem Überleben ausgeschlossen. Das Geld fing an, sich aus sich heraus zu vermehren, als Kapital, das sich bisweilen unerklärlich und vermeintlich magisch reproduziert.

Seit vierzig Jahren forscht der Schweizer Soziologe Aldo Haesler zu diesem Thema. Er hat bereits mehrere Monographien vorgelegt mit anregenden Ansätzen, die es sich zu verfolgen und zu vertiefen lohnt. Auch der Sprach- und Literaturwissenschaftler Eske Bockelmann hat ein Fenster aufgestoßen, das uns einen ganz anderen Blick auf die Thematik eröffnet. Er verbindet die Entstehung des heutigen Verständnisses von Takt und Rhythmus mit der veränderten Bedeutung und Rolle des Geldes in der Neuzeit. So selbstverständlich wir den Rhythmus eines Musikstückes mit seinem Takt gleichsetzen, bis 1600 empfanden die Menschen das noch völlig anders!

Dieses Feld ist besonders aktuell und zentral, weil es nicht nur an der Frage kratzt, wie das kapitalistische Wirtschaften entstanden ist. Es ist damit auch Grundlage für andere Fragestellungen, denen die Sunflower Foundation nachgeht: Was macht diese Geldnutzung  mit den Gesellschaften? Ja, mit den Menschen, mit jedem einzelnen von uns?

Faust wird zum Schluss erlöst, denn wie die Engel rufen: „Wer immer strebend sich bemüht, / Den können wir erlösen.“ Doch in welche Richtung sollte dieses Streben bei der Geldwirtschaft gehen? Dies ist noch ein weites Forschungsfeld.

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