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Geld und Denkform

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Unser Denken prägt unser Sein. Wir kennen das alle: „Sieh das doch mal positiv!“ Den Satz hören wir nicht gerne, wenn grad etwas schiefläuft. Aber andererseits hilft es, seine Probleme mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, gewissermaßen aus sich herauszutreten. Wenn wir mit positiven Gedanken an ein Problem herangehen, werden wir viel leichter eine Lösung finden. Das mag Küchenpsychologie sein, aber im Alltag erweist sich der Ansatz als durchaus nützlich.

Die Kognitionswissenschaftlerin Lera Boroditsky ist der Auffassung, dass linguistische Konzepte, also mit welcher Sprache wir aufgewachsen sind und wie wir sprechen (und natürlich denken), unsere Art der Wahrnehmung prägen oder sogar determinieren. Dieser Ansatz ist mittlerweile bekannt als Linguistische Relativitätstheorie. Boroditsky fiel einmal auf, dass ein fünfjähriges Aborigines-Mädchen auf die Frage, wo Norden sei, instinktiv in die richtige Richtung wies. Nirgendwo sonst konnten Menschen das tun. Nach Boroditsky zeigt sich daran der Zusammenhang von sprachlicher Prägung und Sozialisation mit unserer Wahrnehmungs- und Handlungskompetenz.

„Der Maier denkt immer nur ans Geld.“ Kein ungewöhnlicher Satz in unserer Gesellschaft. Aber was meinen wir damit? Und was sagt das über uns alle aus? Zum einen meint dieser Satz etwas völlig anderes als „Der Maier denkt immer nur an Äpfel.“ Denn damit wollen wir ausdrücken, dass unser fiktiver Herr Maier tatsächlich an konkrete Äpfel denkt, die er vielleicht gerne isst. Wenn Maier aber „nur ans Geld denkt“, dann denkt er nicht an bestimmte Geldscheine oder Scheckhefte. Maier denkt in Geldkategorien, er richtet sein Tun stets nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus und fragt: „Bringt es mir etwas ein, der alten Dame über die Straße zu helfen?“

Ein solches Preisschild heften wir an alles – an Dinge, Handlungen, ja sogar an Menschen. Doch noch weiter reicht das, was der Philologe und Linguist Eske Bockelmann mit dem Begriff „Denkform“ zu fassen versucht: Geld prägt unser Handeln nicht nur im engen Sinn ökonomisch, sondern auch auf Gebieten, die gar nichts mit Geld zu tun haben. Geld ist nichts anderes als ein umrechenbarer Wert. Franken in Dollar umzurechnen oder eine bestimmte Arbeitsleistung in einen Stundenlohn, mag noch gehen. Doch dieses Umrechnen übertragen wir auf nichtmessbare Werte: Eine Versicherung berechnet einen Brandschaden in Geld. Doch wie lässt sich das verlorene Familienalbum aufrechnen? Der selbstgestrickte Pullover?

Wie fühlen Sie sich heute (auf einer Skala von 1 bis 10)? Da müssen Sie wohl einen Mittelwert bilden für all die einzelnen Emotionen, die sich eigentlich gar nicht miteinander verrechnen lassen – und Sie weisen Ihren Gefühlen überhaupt vergleichbare Werte zu. Diese „bewertende“ und vergleichende Denkform legt sich wie ein feines, klebriges Spinnennetz über unser Leben und unser Denken.

Und damit sind wir wieder am Ausgangspunkt. Unser Denken prägt unser Sein. Wir alle denken notgedrungen immer wieder an Geld. Schließlich müssen wir überleben. Aber seien wir ehrlich: Ein wenig von Herrn Maier steckt doch in uns allen. Immer wieder denken wir in dieser Kategorie des „Was habe ich davon?“. Und an dem Punkt müssen wir weiterforschen! Was macht das Geld als Denkform mit uns allen? Mit unserer Gesellschaft und mit jedem Einzelnen?

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