logo_moneymuseum

Geld und Gesellschaft

zurück

Wenige Wochen nach seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika im jahr 1928 stellte Herbert Hoover sein komplett neues Wirtschaftskonzept vor: Der Staat sollte durch Ausgaben gezielt die Nachfrage anregen und so allgemeinen Wohlstand herbeiführen. Wer meint, Literatur habe keinen Einfluss auf unser Leben, den belehrt dieser Fall eines Besseren. Denn angeregt wurde Hoovers Programm durch seine Lektüre des nur wenige Monate zuvor veröffentlichten Buches „Der Weg zum Überfluss. Grundlinien für den Wohlstand Aller“. Während einer Bahnreise diskutiert eine Gruppe bunt gemischter Reisender wirtschaftliche Zusammenhänge, und ein kluger Geschäftsmann kommt zu dem Schluss, dass eine Politik wie sie Hoover praktizierte der Gesellschaft von großem Nutzen wäre.

Geld, Gesellschaft und Literatur. Das ist ein weites Feld, schließlich sind Geld und Wirtschaft ein so zentrales Element des menschlichen Lebens, dass sich fast alles darum dreht. Der Wunsch nach mehr Geld ist ein omnipräsentes Thema in Romanen, Erzählungen oder Filmen. Doch anders als wissenschaftliche Abhandlungen können literarische Formen nicht nur zum konkreten Nachdenken über unser Wirtschaftssystem anregen, wie der oben zitierte und zugegeben sehr spezielle Fall zeigt.

Literatur präsentiert sich vor allem als Prisma, in dem der einzelne Mensch in allen seinen Facetten gebrochen wird und seine Handlungen, seine Ängste, seine Triebe und seine Wünsche exemplarisch vor dem Hintergrund des Zeitgeists seiner Umwelt ausgebreitet werden. Betrachten wir den jungen, erfolgreichen Gatsby in Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby“: Er lebt in den Roaring Twenties in Saus und Braus in seinem Palast am Meer, wird von Männern wie Frauen angehimmelt und beneidet, steht stets im Mittelpunkt – und treibt gleichzeitig doch in seinem Leben dahin als einsames und unglückliches Wesen, dem wahrer Sinn und Erfüllung fehlen.

Gatsby hatte vermeintlich alles, nämlich Geld. Was sind Menschen bereit für Geld zu tun? Vielleicht eine der faszinierendsten Ausgangsfragen, die zu ethischen Experimenten führt. „Skinvertisement“ sorgte vor einigen Jahren für Aufsehen. Menschen lassen sich dafür bezahlen, durch dauerhafte Tattoos zu wandelnden Werbeträgern zu werden. Noch weiter treibt Dürrenmatt die Frage nach unserer Käuflichkeit in „Der Besuch der alten Dame“: Eine Milliarde bietet eine zurückgekehrte Milliardärin ihrer Heimatstadt an, wenn die Bürger einen der ihren töten.

Das MoneyMuseum präsentiert eine grosse Bibliothek mit ausgewählten Büchern, deren Figuren und Handlungen uns aufzeigen, wie Geld und unsere Wirtschaft auf uns Menschen wirken. Noch immer ist diese Frage bei weitem nicht ausreichend untersucht worden. Literaturwissenschaftlern, Soziologen, Ökonomen und anderen Experten bieten sich viele Möglichkeiten, gemeinsam die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Individuum zu hinterfragen.

Werke der Literatur und des Kinos füllen ethische Theorien mit Leben und überführen sie in unsere Welt. Wenn wir also hinterfragen möchten, wie wir Geld und Wirtschaft in Beziehung mit unserem Alltag setzen, welchen Wert wir Geld beimessen und wie wir die Weichen im Umgang mit Finanzen und Besitz für künftige Generationen stellen wollen, dann führt kein Weg vorbei an der Auseinandersetzung mit künstlerischen Werken. Sie sind der Schlüssel zu einem wirklichen Verständnis des Menschen.

Signet Sunflower Foundation