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Der Rhythmus der Neuzeit

Was haben Musik, Technik und Geld gemeinsam? Ihnen allen liegt ein Takt oder eine Taktung zugrunde. Diese verblüffende Erkenntnis von Eske Bockelmann veranschaulichen wir in unserem Kurs „Im Takt des Geldes“. Es ist kein Zufall, dass man in Europa Rhythmus fast nur noch in Takten misst – und zwar genau seit dem Entstehen des Kapitalismus. Zufall?

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Was erwartet Dich in diesem Kurs?

Egal ob Du gerne tanzt, ein Instrument spielst oder an einem Motor rumschraubst: Takt ist allgegenwärtig. Genau wie Geld in unserer heutigen Gesellschaft. Beides hat auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Tatsächlich hatten Menschen wohl schon immer ein Gespür für Rhythmus. Aber erst um 1600 begann man in Europa Rhythmus ausnahmslos in Takten zu messen, also Zeit durch Schläge in gleichmäßigen Abständen zu unterteilen. Heute kennen wir praktisch keine andere Form von Rhythmus mehr. Es war kein Zufall, dass etwa zur selben Zeit die modernen Märkte und der Kapitalismus entstanden und Geld seither den Rhythmus für alles vorgibt. Vielmehr besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Entstehen unseres modernen Rhythmusgefühls und dem Aufkommen des Kapitalismus. Eine steile These von Eske Bockelmann, die uns zeigt, wie tief das Geld uns wirklich durchdringt, bis in unser innerstes Sein.

Wer hat dieses Dokument erarbeitet?

Eske Bockelmann ist klassischer Philologe und Germanist. Seit seiner Habilitation lehrt er an der TU Chemnitz. Bockelmann hat das Thema Geld und Geldwirtschaft wiederholt in grundlegenden Büchern und Aufsätzen diskutiert, darunter z.B. „Im Takt des Geldes“ (2004) und „Das Geld“ (2020). Von ihm stammt der Text des Films. Umgesetzt hat das Projekt der Filmemacher Andreas Walter.

Was kannst Du von diesem Kurs lernen?

  • Du lernst, wie sich Europa im 17. Jahrhundert veränderte und eine moderne Marktwirtschaft, ein allumfassender Einsatz von Geld und der Kapitalismus die Welt revolutionierten
  • Du verstehst, was Rhythmus und Takt sind und welch fundamental neues Empfinden von Rhythmus und Takt im 17. Jahrhundert aufkamen, das bis heute vorherrscht
  • Du erkennst den Zusammenhang zwischen der modernen Geldwirtschaft und unserer reflexartigen Wahrnehmung von Rhythmus
  • Du machst Dir bewusst, wie tief ins Unterbewusste aller Menschen der Umgang mit Geld wirkt

Einführung:

Tanzen wir im Takt des Geldes? Die Hektik in den Grossstädten lässt dies vermuten. Dass Geld unser Taktempfinden beeinflussen und formen soll, ist für viele ein abwegiger Gedanke. Deshalb der Reihe nach: wie und wann ist das moderne Geld entstanden? Und wie hat man dies festgestellt? Die Zeitungen berichteten kaum  von dieser Erneuerung, kein Dekret der Regierung brauchte es dazu. Wir verfolgen den Wandel auf den Handelsmärkten nach 1500 und stellen fest: Ein Schlüsselbereich ist die Änderung im Rhythmusempfinden Anfang des 17. Jahrhunderts. Hat der Handel den neuen Rythmus gebracht?

Lektion 1: EIN NEUES BEWUSSTSEIN ENTSTEHT

Die europäische Welt erlebt zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen gewaltigen Wandel. Lebhafte Märkte entstehen und schliessen sich zum ersten Mal in der Geschichte zu einem einzigen, länderübergreifenden Markt zusammen. Es ist die Geburt der Marktwirtschaft. Geld wird allgegenwärtig. Darauf gründet sich der Kapitalismus, es ist die Genese des modernen Geldes. Dies beeinflusst unser Bewusstsein und unsere Rhythmuswahrnehmung. Doch worauf gründen das neue Bewusstsein und der neue Rhythmus? 

Lektion 2: DIE ENTDECKUNG ESKE BOCKELMANNS

Zu den grossen Veränderungen, die sich im Europa des 16. Jahrhunderts vollziehen, gehört auch das Aufkommen einer völlig neuen Rhythmuswahrnehmung. Es ist derjenige Rhythmus, den wir auch heute ganz selbstverständlich und ganz natürlich als rhythmisch empfinden: Taktrhythmus.
Dieser Taktrhythmus hat seinen Ursprung darin, dass wir alltäglich mit Geld umgehen müssen – also etwas, das für die Menschen im Europa des 16. Jahrhunderts historisch zum ersten Mal Wirklichkeit wurde.

Lektion 3: URSPRUNG DES TAKTRHYTHMUS

Taktrhythmus, also unseren Rhythmus, hat es nicht schon immer gegeben, sondern er entsteht erst historisch. Er ist also historisch bedingt. Diese historischen Bedingungen haben sich damals im 16. Jahrhundert zum ersten Mal ergeben, aber sie gelten seit damals bis heute.
Geld und Rhythmus – zwei Gebiete, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihr Abstand scheint unendlich gross. Aber es ist dieselbe Denkleistung. Wir übertragen sie nur unwillkürlich auf ein Gebiet, wo wir sie nicht mehr wiedererkennen.

Lektion 4: DENKLEISTUNG UND RHYTHMUS

Beim Takthören bilden wir Einheiten, genauer Zeiteinheiten, und verbinden sie dort zu Gruppen. Wir nehmen dabei nicht die Töne als diese Einheiten wahr, sondern die Abstände der Taktschläge, innerhalb deren sich die Töne bewegen. Als Einheiten bestehen die Taktschläge bloss aus Zeit, aus reiner, leerer Zeit. Und Zeit? Zeit – ist – Geld. Das sagt man nicht ohne Grund.

Lektion 5: GELD DURCHDRINGT DIE WELT

Auch heute – nach 500 Jahren europäischer Geschichte – finden wir uns in einer umfassenden Krise wieder. Es ist eine Finanzkrise, ja. Und das heisst: eine Krise, die sich das Geld selbst bereitet – und damit unter anderem uns. Dennoch, das Geld funktioniert ja weiter, als wäre nichts geschehen, und wenn es an die «systemrelevanten» Belange geht, da bieten Staaten all ihre Macht auf, damit es dabei bleibt. Eine grosse, eine sehr grosse Macht. Doch was, wenn sie eines Tages nicht mehr ausreicht? Wenn die Macht auf der anderen Seite doch noch grösser ist?

 

Der Kurs kann in der Lehre mittels der Shorthand Story Im Takt des Geldes vorgetragen werden.

Jedes Video dauert 5+ Minuten und wirft viele Fragen auf, die diskutiert werden können.

Video 01: Ein neues Bewusstsein entsteht

Video 02: Die Entdeckung Eske Bockelmanns

Video 03: Ursprung des Taktrhythmus

Video 04: Denkleistung und Rhythmus

Video 05: Geld durchdringt die Welt

Ganzer Film, 25 Minuten

Ausschnitt Taktrhythmus, 3 Minuten

Wie hängen Zeit, Rhythmus und Geld zusammen?

Formuliere in eigenen Worten, wie die genannten Grössen zusammenhängen. Ideen findest Du unten. 

Zeit und Rhythmus haben sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder gewandelt. Früher waren Menschen stark von natürlichen Zyklen und Rhythmen abhängig, wie zum Beispiel von Jahreszeiten, Mondphasen und Tageslicht. Diese zyklische Zeit war eng mit der Umwelt und den Lebensumständen verbunden.

Mit der Industrialisierung und der Einführung von standardisierten Arbeitszeiten und -abläufen hat sich der Rhythmus des Lebens verändert. Der moderne Lebensstil wird nun stärker von der linearen Zeit und vom “Taktrhythmus” bestimmt, der durch Uhrzeiten, Termine und Fristen geprägt ist. Eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung hat das Geld gespielt, da es zum zentralen Tausch- und Vergleichsmittel geworden ist.

In der heutigen Gesellschaft ist das Geld in der Tat oft das bestimmende Element für Zeit und Rhythmus. Es beeinflusst Entscheidungen über Arbeitszeit, Freizeit, Lebensziele und persönliche Beziehungen. Es hat dazu geführt, dass viele Menschen das Gefühl haben, dass “Ich und das Geld” das Subjekt sind und andere Aspekte des Lebens als Objekt behandelt werden.

Es stimmt, dass das Geld und der damit verbundene Takt für viele Menschen wie ein Gefängnis wirken können. Unsere moderne Gesellschaft ist stark vom Geld abhängig, und es ist für viele schwierig, sich von diesem Denken zu befreien. Die Notwendigkeit, für den Lebensunterhalt zu arbeiten und Geld für alltägliche Bedürfnisse zu verdienen, bestimmt den Alltag der meisten Menschen.

Die Tatsache, dass wir in einem Koordinatensystem denken, kann auf René Descartes zurückgeführt werden, einen französischen Philosophen und Mathematiker, der das kartesische Koordinatensystem entwickelt hat. Descartes’ Ideen haben die moderne wissenschaftliche und rationale Denkweise geprägt, die in vielen Bereichen unseres Lebens vorherrscht, einschließlich Wirtschaft und Geld.

Einige Kritiker des kapitalistischen Systems argumentieren, dass dieses Denken dazu führt, dass Menschen und die Umwelt in erster Linie als Ressourcen betrachtet werden, die zur Erreichung von Gewinn und materiellem Erfolg eingesetzt werden können. In diesem Sinne kann das Geldsystem tatsächlich als ein Gefängnis angesehen werden, das unsere Fähigkeit einschränkt, alternative Lebensweisen und Werte zu erkunden.

Es gibt auch Menschen, die nach alternativen Wegen suchen, um aus diesem “Gefängnis” auszubrechen. Dazu gehören Gemeinschaften, die sich auf Tauschhandel und gemeinschaftliche Ressourcennutzung konzentrieren, oder Personen, die sich für eine minimalistische Lebensweise entscheiden, um ihre Abhängigkeit von Geld zu verringern. Andere setzen sich für politische und soziale Veränderungen ein, um das Geldsystem gerechter und nachhaltiger zu gestalten.

Es ist schwierig, sich vollständig von der Geldherrschaft zu lösen, solange unsere Gesellschaft und Wirtschaft darauf aufbauen. Aber es ist möglich, sich bewusst für einen Lebensstil zu entscheiden, der nicht ausschließlich von finanziellen Zielen bestimmt ist und andere Werte wie soziale Beziehungen, persönliche Entwicklung und Umweltschutz in den Vordergrund stellt.

Definiere Marktwirtschaft und Kapitalismus

  • Beide Systeme basieren auf den Prinzipien von Privateigentum, freien Märkten, Wettbewerb und Gewinnmaximierung.
  • Gibt es Unterschiede? Liste sie hier auf. 

Gibt es andere Theorien als die Strong-Weak-Theorie?

  • Eine Theorie ist die "Strong-Weak-Theorie", die besagt, dass wir den Rhythmus in der Musik nur dann wahrnehmen, wenn es einen Wechsel zwischen betonten (dominanten) und unbetonten (nicht-dominanten) Schlägen gibt. Dieser Wechsel erzeugt eine Art "Puls" oder "Schwung" in der Musik, der den Rhythmus erlebbar macht.
  • Gibt es viele Arten von Musik, die sich auf andere rhythmische Muster und Strukturen stützen und trotzdem sehr ansprechend sein können? Nenne Beispiele.
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