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oeconomia - der Film über Wirtschaft

Weltweit hat sich in den letzten Jahrzehnten sowohl die Wirtschaftsleistung als auch die Verschuldung um ein Vielfaches vergrössert. Gibt es also einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Schulden? Regisseurin Carmen Losmann geht den Phänomenen unseres Wirtschaftssystems auf den Grund und versucht die Spielregeln des Kapitalismus zu verstehen.

Kapitalismus als Glaubensgebäude? - Logisch muss es nicht sein, nur weiter funktionieren.

„Wer kollabiert zuerst? Unser Ökosystem Erde oder der Kapitalismus?“ - Ein Film von Carmen Losmann.

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Was erwartet Dich?

Vier Säulen der Wirtschaft werden analysiert: Banken, die Zentralbank, Unternehmen und der Finanzmarkt. Die Regisseurin stellt allen dieselbe Frage "woher kommt das Geld für den Gewinn?" und jeder Vertreter äussert sich auf seine Art. Zuletzt kommt auch das "System" zur Sprache, in Form einer off-voice. 

In einem Vergleich wird der Gegensatz dargestellt zwischen der weit verbreiteten Auffassung, dass Geld erst gespart werden muss, damit man es ausgeben kann, und der Erkenntnis, dass Geld nur dann da ist, wenn Menschen wirtschaftlich aktiv werden (und Kredit aufnehmen). 

Mit "Oeconomia" unternimmt Carmen Losmann eine Reise in das strategische Zentrum neoliberaler Politik. Ein ehrgeiziges und schwieriges Unterfangen, denn viele Insider des Banken- und Finanzsektors reden lieber nicht vor einer Kamera - und denen, die sich darauf einlassen, fehlen mehr als einmal die Worte. So transparent die Architektur von Banken und Geldinstituten sich gibt, so schnell verschließen sich die Türen für die recherchierende Regisseurin. Sie macht aus der Not eine Tugend, indem sie unter anderem Telefonprotokolle und computergenerierte Bilder einsetzt, damit das Abstrakte und schwer Verständliche anschaulicher wird.

Was kannst Du lernen?

Hier sind die Hauptpunkte:

  • Banken erzeugen Geld durch die Vergabe von Krediten. Dieses System funktioniert, solange es funktioniert.
  • Das bedeutet, dass das Kreditsystem solange funktioniert, wie genügend Kreditnehmer vorhanden sind und die Wirtschaft stabil bleibt. Das System kann jedoch in Schwierigkeiten geraten, wenn es zu einer Krise kommt, wie zum Beispiel einer Finanzkrise, bei der Kredite nicht mehr vergeben oder zurückgezahlt werden können.
  • Und die Frage ist: wie lange kann dieses System funktionieren? 
  • OECONOMIA betrachtet die Zusammenhänge, Verflechtungen und Wechselwirkungen des kapitalistischen Systems und stellt unbequeme Fragen, die für die Zukunft der Welt und der Gesellschaft allgemein wichtig werden:

    • Was sind die Spielregeln des globalen Wirtschaftssystems?

    • Wie entsteht Geld? Wie funktioniert eine Bank?

    • Wie entsteht Geld für Gewinne?

    • Wie entstehen Gewinne und wer schöpft diese ab?

    • Was passiert, wenn Staaten sich zu sehr verschulden?

    • Wer übernimmt die Schulden in einem demokratischen Staat?

    • Wohin führt stetiges Wirtschaftswachstum die Welt?

    • Welche Investition bringt noch mehr Profit?

    Die kritischen Betrachtungen führen zur Kernfrage des Films: Worin sollte investiert werden und wer sollte diese Investitionen tätigen?

Ein Film von Carmen Losmann

Carmen Losmann (1978) ist eine deutsche Filmregisseurin und Drehbuchautorin. 

Carmen Losmann studierte zunächst drei Jahre Marketing in England und schloss das Studium mit einem Bachelor ab. Von 2003 bis 2008 studierte sie an der Kunsthochschule für Medien Köln im Fachbereich Film/Fernsehen. Filmische Vorbilder sind für Losmann die Regisseure Harun Farocki, Fred Wiseman und Hartmut Bitomsky. Während des Studiums realisierte sie bereits Dokumentarfilme, in denen sie sich mit dem Themenkomplex Arbeitswelt befasste. 

Im Forum der Berlinale 2020 stellte Carmen Losmann ihren Dokumentarfilm "Oeconomia" vor, der um die Themenkomplexe Geld, Markt und Ökonomie kreist, und in dem gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge anschaulich gemacht werden. Der Film kam im Herbst 2020 in die deutschen Kinos.

 

Carmen: meine Thesen

Unser Wirtschaftssystem hat sich unsichtbar gemacht und entzieht sich dem Verstehen. In den letzten Jahren blieb uns oft nicht viel mehr als ein diffuses und unbefriedigendes Gefühl, dass irgendetwas schiefläuft. Aber was?

Erkennbar wird ein Nullsummenspiel, das uns und unsere ganze Welt in die Logik einer endlos fortwährenden Kapitalvermehrung einspannt – koste es was es wolle. Ein Spiel, das bis zur totalen Erschöpfung gespielt wird.

"Meiner Ansicht nach ist es Teil der herrschenden Logik, uns zum einen im Unklaren über die Zusammenhänge zu lassen und zum anderen uns glauben zu machen, es gäbe keine Alternativen."

Die Banken: wie kommt Geld in die Welt?

Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, wird als erster Experte vorgestellt. „Die Bank braucht kein Geld, um einen Kredit zu vergeben, sondern sie produziert Geld dadurch, dass sie den Kredit vergibt.“

Um diese Maschinerie in Gang zu setzen, braucht man Unternehmen oder Haushalte, die Kredite aufnehmen wollen und können. Wenn dies ausbleibt, gibt es auch keine Geldproduktion. Um das Wirtschaftswachstum in diesem Kontext stabil zu halten, müssen immer mehr Kredite vergeben werden.

Die Zentralbank: wir kreieren Geld

Chefvolkswirt der EZB Peter Praet: Wenn Banken keine Kredite vergeben, kommt es zu einer Krise. Nach der Finanzkrise hat die EZB mit ihrer Zinspolitik Einfluss ausgeübt, um Investitionen und Konsum anzuregen. Die Maßnahmen waren aber nicht ausreichend, so dass die EZB anfing, Anleihen zu kaufen und dabei selbst Geld zu produzieren und die Geldmenge wieder zu erhöhen.

Die Unternehmen sorgen für Wachstum

Nicolas Peter, Finanzvorstand BMW Group, beschreibt die Sicht des Unternehmens. Und Unternehmen produzieren ja Wachstum. 

Die Feststellung, dass die Geldmenge wachse, wenn die Wirtschaft wachse und die Wirtschaft wachse, wenn die Geldmenge wachse lässt die Regisseurin zu der Frage kommen, wieso Unternehmen Gewinne machen müssen. 


Der Finanzmarkt

Carmen Losmann fragt: Kann es Wirtschaftswachstum ohne Neuverschuldung geben? Sind die Profite von heute nicht die Schulden von morgen? Bosomworth antwortet mit einem Lächeln nur noch mit „Ja“, womit für ihn keine weiteren Erklärungen mehr nötig sind. Losmanns Erkenntnissuche endet also nicht mit einer zufrieden stellenden Antwort, sondern eher mit einer ernüchternden Prognose.

Das System antwortet

Für steigende Gewinne und steigendes Wirtschaftswachstum ist eine ständige Ausweitung der Verschuldung nötig. Das ist der berühmte elephant in the room, über den niemand spricht.“ (off-voice)

Ist die Frage beantwortet?

Ein Performancegespräch mit Matthias Rusterholz, Senior Vermögensverwalter PEH Wertpapier AG, wird thematisiert. Als von der Autorin die kritische Nachfrage gestellt wird, wo das Geld herkomme, damit Unternehmen gesamtwirtschaftlich Gewinn machen, lässt sich Rusterholz zur Äusserung hinreißen: „Das ist eine gute Frage. Das ist eine komplexe Frage. Wollen wir diese Frage zurückstellen und später nochmal aufnehmen?“ 


Die Thesen

"Meiner Ansicht nach ist es Teil der herrschenden Logik, uns zum einen im Unklaren über die Zusammenhänge zu lassen und zum anderen uns glauben zu machen, es gäbe keine Alternativen."

„Wir betrachten Geld wie Münzgeld“. Dabei haben wir heute Kreditgeld. 

Ich bin der Meinung, dass ich die Funktionsweise des Kapitalismus erst analysieren und begreifen muss, um mich in einem zweiten Schritt auf die Suche nach Alternativen begeben zu können.

Thomas Mayer: Chefökonom Deutsche Bank

Thomas Mayer, der ehemalige Chefökonom der Deutschen Bank, wird als erster Fachmann präsentiert. Er sagt: "Um einen Kredit zu gewähren, benötigt die Bank kein Geld; vielmehr erzeugt sie Geld, indem sie den Kredit vergibt."

Um diesen Prozess in Gang zu bringen, sind Unternehmen oder Privathaushalte erforderlich, die Kredite aufnehmen möchten und dazu in der Lage sind. Fehlen diese, findet keine Geldschöpfung statt. Damit das Wirtschaftswachstum in diesem Zusammenhang stabil bleibt, müssen kontinuierlich mehr Kredite vergeben werden.

Peter Praet: Chefökonom EZB

Peter Praet, der Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärt: Wenn Banken keine Kredite gewähren, führt dies zu einer Krise. Nach der Finanzkrise beeinflusste die EZB die Wirtschaft durch ihre Zinspolitik, um Investitionen und Konsum zu fördern. Die getroffenen Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, weshalb die EZB begann, Anleihen zu erwerben, dabei selbst Geld zu schaffen und somit die Geldmenge wieder zu erhöhen.

Nicolas Peter, Finanz-Vorstand BMW

Carmen Losmann fragt, ob BMW durch die Autokredite selbst die eigenen Gewinne produziert, da jedes zweite Fahrzeug über BMW-Finanz-Dienstleistungen vom Kunden refinanziert wird?

Andrew Bosomworth, Head of Portfolio Management Deutschland, Pimco

Der Film endet mit einer Zukunftsprognose, die von der Annahme ausgeht, dass die Verschuldung am Ende so hoch werden könnte, dass es nicht mehr weitergeht. Losmann fragt Andrew Bosomworth von der PIMCO Investmentgesellschaft, an welchem Punkt die Menschheit derzeit in dieser Entwicklung stehe. Bosomworth führt einen Vergleich mit einem Fußballspiel an, dass die Entwicklung etwa bei Minute 65 steht, also gerade in der Phase, in der häufig die entscheidenden Akzente für einen Spielverlauf gesetzt werden.

Die off-Stimme spricht fürs System

Wie kann bei dem Grundproblem, dass nur in gewinnbringende und profitorientierte Unternehmen investiert und reinvestiert wird, ein gesundes Verhältnis von Kapitalismus und ökologisch nachhaltiger Wirtschaft entstehen?

Carmen Losmann in Diskussion mit der off-voice.

Mathias Rusterholz: woher kommt das Geld?

Interessantes Fragen & Antwort Spiel mit einem Vermögens-Verwalter, das sich überall in Kundengesprächen abspielen könnte .... hören Sie selbst. 

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